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10 Jahre nach „Wir schaffen das“: Wie steht es um die Integration von Geflüchteten in Bayern?

Am 31. August 2015 prägte Angela Merkel den Satz „Wir schaffen das“. Zehn Jahre später lohnt ein Blick auf die Integration von Geflüchteten in Bayern. Wie steht es um Unterbringung, Arbeit und Bildung? Welche Herausforderungen bleiben? Alle Infos zur aktuellen Lage in den Kommunen lest ihr hier.

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Flüchtlinge Bayern Boris Roessler/dpa

Am 31. August 2015 sagte Angela Merkel den Satz „Wir schaffen das“, der zur Chiffre einer ganzen Epoche wurde. Zehn Jahre später zeigt ein Blick auf die bayerischen Kommunen, wie Integration konkret umgesetzt wird – und welche Herausforderungen weiterhin bestehen.

München: Ehrenamt und Integration als Schlüssel zum Erfolg

Die Stadt München hebt das Engagement der Bürgerschaft hervor, die tausende Geflüchtete untergebracht hat. Ehrenamtliche, NGOs und die Verwaltung haben gemeinsam viel bewegt. Besonders stolz ist München auf das Sofortbauprogramm „Wohnen für Alle“, das 800 Wohneinheiten geschaffen hat. Dennoch bleibt die Suche nach Anschlusswohnraum eine große Herausforderung. Auch der Zugang zu Arbeit und Bildung erfordert weiterhin intensive Bemühungen.

Fürth: Stabilität, aber Wohnraummangel

In Fürth sei die Lage stabil, so Oberbürgermeister Thomas Jung. Über 2000 Geflüchtete sind seit 2015 gekommen, viele davon arbeiten heute in Seniorenheimen oder der Gastronomie. Doch der Mangel an Wohnraum bleibt ein großes Problem, insbesondere für Familien. Ehrenamtliches Engagement und finanzielle Unterstützung werden dringend benötigt.

Landkreis Augsburg: Fortschritte durch digitale Lösungen

Die Integreat-App bietet Geflüchteten wichtige Informationen in mehreren Sprachen und wird jährlich über 200.000 Mal genutzt. Dennoch fehlen vor allem auf dem Land ausreichend Sprachkurse und bezahlbarer Wohnraum, so das Fazit. Viele Integrationsprojekte sind befristet und hängen von Fördergeldern ab.

Landkreis Regensburg: Integration über Arbeit als Schlüssel

Im Landkreis Regensburg haben viele Geflüchtete den Weg in Ausbildung oder Arbeit gefunden, etwa in Pflege und Handwerk. Jobmessen und kurze Wartezeiten für Integrationskurse tragen dazu bei. Herausforderungen bleiben jedoch lange Verfahrensdauern bei Asylanträgen und die Wohnungssuche. So hatte das Landratsamt sogar schon mal ein Ausflugsschiff als Flüchtlingsunterkunft eingesetzt.

Würzburg: Integration in den Arbeitsmarkt als Erfolgsfaktor

In Würzburg gelingt die Integration in hochqualifizierte Arbeitsverhältnisse, was auch dem Fachkräftemangel entgegenwirkt. Deutschklassen an Schulen und Berufsschulen haben sich verdoppelt, was den Zugang zu Ausbildung und Arbeit erleichtert. Dennoch wünscht sich die Stadt mehr Unterstützung und Ermessensspielraum von Bund und Land.

Landkreise Kelheim, Regen und Deggendorf: Herausforderungen bleiben

Im Landkreis Kelheim bleibt die Suche nach Unterkünften und Akzeptanz in der Bevölkerung eine zentrale Aufgabe, genauso wie im Landkreis Regen. Landrat Dr. Ronny Raith betont, dass Integration kein Ziel, sondern ein Prozess sei. Viele Geflüchtete haben im Arberland eine neue Heimat gefunden und tragen zur Wirtschaft bei. Dennoch bleibe die Unterbringung, besonders für größere Familien, schwierig. Landrat Bernd Sibler aus Deggendorf sieht weiterhin großen Handlungsbedarf bei Sprache und Bildung. Trotz rückläufiger Flüchtlingszahlen bleibe die Lage angespannt, sagt er.

Unterallgäu: Erfolge bei der Jobvermittlung durch Jobmessen

Jobmessen haben sich im Unterallgäu als effektives Mittel erwiesen, um Geflüchtete schneller in Arbeit zu bringen. Laut Landratsamt werden Arbeitsgenehmigungen inzwischen zügig erteilt, was den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtert. Diese Entwicklung zeigt, wie wichtig gezielte Maßnahmen für die Integration sind. Ein großes Hindernis bleibe jedoch der Mangel an Sprachkursen. Viele Geflüchtete hätten Schwierigkeiten, sich ohne ausreichende Sprachkenntnisse in Ausbildung oder Arbeit zurechtzufinden. Das Landratsamt betont, dass hier dringend mehr Angebote geschaffen werden müssen.

Fazit: Integration als gemeinsame Aufgabe

Zehn Jahre nach „Wir schaffen das“ zeigt sich: Integration ist ein fortlaufender Prozess, der Engagement auf allen Ebenen erfordert. Bayern hat viel erreicht, doch die Herausforderungen – von Wohnraum über Bildung bis hin zu Arbeit – bleiben groß. Die Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Ehrenamtlichen und staatlichen Stellen bleibt entscheidend. Dazu kommt die Forderung aus allen Regionen nach schnellerer Bearbeitung von Asylanträgen. Dazu dauere die Anerkennung ausländischer Zeugnisse nach wie vor zu lange, hört man von mehreren Landratsämtern. Die hohe Bürokratie erschwere zudem viele Prozesse und stelle sowohl Geflüchtete als auch Helfer vor Herausforderungen.