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Karls frecher Tor-Gruß und eine Meisterleistung der Bayern

Viel wurde geredet über Lennart Karl. An einem großen Bayern-Abend in Madrid sorgt der Jungstar mit einem frechen Tor und der Jubelgeste danach für neuen Gesprächsstoff.

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Atlético Madrid - FC Bayern München Oscar Manuel Sanchez/ZUMA Press Wire/dpa

Madrid (dpa) - Sein schlitzohriges Tor reichte Lennart Karl anscheinend nicht als Antwort nach dem vielen Gerede über ihn in seiner ersten Leistungsdelle. Beim Jubel über den wichtigen Treffer, der die Meisterleistung des FC Bayern München beim 2:0 (0:0) in der Champions League gegen Atlético Madrid im Finalstadion eingeleitet hatte, hielt sich der 18-Jährige die Hände an die Ohren. 

Die Botschaft nach kritischen Äußerungen etwa von Vereinspatron Uli Hoeneß sollte wohl lauten: «Redet ihr nur!» Wobei alle Münchner Protagonisten auffällig darum bemüht waren, an diesem besonderen Fußballabend Karls Jubelgeste verbal irgendwie zu umschiffen. «Ich bin sehr nah. Aber ich habe keine Ahnung, was er da gemacht hat», sagte etwa Karl-Kumpel Tom Bischof schmunzelnd.

Wichtiger war ja auch die Aktion vor dem Jubel. Nach einer vergebenen Großchance in der ersten Hälfte luchste der Karl Atlético-Verteidiger Robin Le Normand im Strafraum listig den Ball ab und lupfte ihn über den Torwart hinweg ins Netz. Eine starke Aktion. Typisch Karl. Der Junge scheißt sich nichts auf dem Platz, wie man im Süden sagt. Er spielt Fußball ohne Angst, intuitiv. Und er provoziert dann halt auch mal beim Jubeln, wenn sich der Druck entlädt.

Viel ist über den Jung-Nationalspieler geredet worden. Nach dem Raketenstart in seiner ersten Profi-Saison mit der unglücklich durch eine Verletzung verpassten WM muss er nun erstmals mit Gegenwind umgehen. Ehrenpräsident Hoeneß empfahl dem Teenager mehr «Demut». Der emotionale Jubel von Madrid war das eher nicht. 

Der 74-jährige Hoeneß hatte sogar angekündigt, «ein ernstes Gespräch» mit Karl führen zu wollen. Auch Bayerns Sportvorstand Max Eberl sah Karl «in einem Loch» und riet zu mehr Konzentration auf den Fußball.

Ballack kontra Hoeneß und Eberl 

Karls Berater Michael Ballack missfielen diese Einlassungen aus dem Club - er verteidigte seinen Schützling. Karl werde «öffentlich zur Zielscheibe» gemacht. Auch Lothar Matthäus nahm ihn in Schutz, die Geste nach dem Tor gegen Atlético habe sicher keinen «bösartigen» Hintergrund, sagte er der «Bild». Viel Rauch um einen jungen Kerl, der immer noch erst 18 ist. Der auf Social Media unterwegs ist, auch mal schrille Outfits trägt. Und provokant jubelt. Zur Erinnerung: Bei seinem ersten Saisontor in Elversberg brachte er die heimischen Fans mit einer Schweigegeste gegen sich auf.

In Madrid gab es viel Lob. «Lennart Karl ist für uns ein wichtiger Spieler, das haben wir nie in Abrede gestellt», sagte Eberl. Er habe «fleißig mitgearbeitet und sich mit dem Tor belohnt». Und der Jubel? «Ich habe es ehrlicherweise gar nicht gesehen», sagte Eberl. Darum: keine öffentliche Bewertung. 

Co-Trainer Aaron Danks, der den sich erholenden Chefcoach Vincent Kompany weiter vertritt, hatte im Münchner Offensiv-Notstand auf Karl gesetzt, der zuletzt nur eine Nebenrolle innehatte. «Es gab in letzter Zeit viel Lärm um Lennart Karl», sagte der Engländer. «Als junger Spieler hat er, finde ich, großen Charakter und große mentale Stärke gezeigt. Seine Leistung war großartig, gekrönt mit einem wirklich guten Tor.» Was Danks auch noch über Karl anmerkte: «Er hat auch einen großen Glauben an sich selbst.»

Klare Worte von Neuer und Laimer

Im Team freuten sich alle für den jungen Kerl. «Lenny ist ein ganz wichtiger Bestandteil der Gruppe. Das hat er heute wieder unter Beweis gestellt», sagte Kapitän Manuel Neuer. Es gebe da für ihn «auch gar nichts zu thematisieren».

Der als «Man of the Match» ausgezeichnete Verteidiger Konrad Laimer, der das 2:0 erzielte, warb eindringlich für den jungen Kollegen. «Für den Jungen freut es mich. Er bleibt ruhig, er arbeitet hart - und heute hat er sich belohnt», sagte der Österreicher. «Er ist noch jung, er muss noch lernen. Er ist auf einem Superweg und wird noch eine große Karriere vor sich haben.»

Hummels kritisiert Karl-Jubel

Auch Weltmeister Mats Hummels griff Karls Jubelgeste auf. «Den sehen wir viel zu oft mittlerweile», mäkelte der Ex-Profi bei Amazon Prime. Kritik sei Teil des gut bezahlten Profigeschäfts, das müsse ein Spieler aushalten, belehrte er Karl. «Mein Sohn ist acht. In den Spielen von seiner Mannschaft sehe ich schon Kinder diesen Jubel machen, weil der so oft vorkommt mittlerweile.» Seinem Sohn verbiete er die Geste.

Im nächsten Karl-Wirbel sollte nicht untergehen, was die Bayern, angetrieben vom bärenstarken Verteidiger-Duo Laimer und Dayot Upamecano, gegen ein eingeschüchtertes Atlético vollbrachten. Eberl sprach von «einer Weltklasseleistung der Mannschaft», Kapitän Neuer schwärmte von einem «sehr dominanten Auftritt». 

«Wichtig, mal einen Big Player zu schlagen»

«Es war wichtig für uns, dass wir auch mal einen Big Player wie Atlético auswärts schlagen», sagte der ins Tor zurückgekehrte Neuer nach seinem 164. Königsklasseneinsatz, mit dem er Thomas Müller als deutscher Rekordspieler überholte. «Das ist was ganz Besonderes für mich», bekannte der 40-Jährige. 

«Was für ein Abend», frohlockte Bayern-Chef Jan-Christian Dreesen nach Mitternacht in seiner Bankettrede im Teamhotel. Der 59-Jährige richtete besondere Dankesworte an Danks: «Aaron, du hast den Job übernommen in einer schwierigen Zeit. Und ich bin sicher, Vincent hat das Spiel heute gesehen im Fernsehen. Und er wird sagen: "Du hast einen großartigen Job gemacht mit deinem Team."»

Am 5. Juni würden die Bayern «gerne hierhin zurückkommen», sagte Rekordspieler Neuer noch, bevor er die Endspiel-Arena verließ. Aber bis dahin sei es «noch ein harter, steiniger Weg», so Neuer.

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