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Polizei intensiviert Kampf um Bayerns Lufthoheit

Im vergangenen September und Oktober sorgten illegale Drohnen auch in Bayern für viel Ärger und Unruhe. Nun soll eine neue Organisationseinheit helfen, die Hoheit über Bayerns Luftraum zu verteidigen.

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Eröffnung Drohnenkompetenz- und -abwehrzentrum Peter Kneffel/dpa

Erding (dpa/lby) - Bayerns Polizei hat sich für den immer wichtigeren Kampf gegen Drohnen mit einem eigenen Drohnenkompetenz- und Abwehrzentrum (DKAZ) neu aufgestellt. Doch was genau steckt hinter der neuen Organisationseinheit mit Sitz in Erding? «Neue Herausforderungen erfordern neue Maßnahmen», fasst es Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bei der Eröffnung des Zentrums zusammen und betont, dass sich Bayern auch von Drohnen nicht einschüchtern lasse. Doch braucht es das überhaupt noch, denn zumindest öffentlich bekanntgeworden sind Drohnensichtungen in den vergangenen Wochen und Monaten in Bayern nicht. 

Wofür braucht Bayern einen Drohnenabwehrzentrum?

Im September und Oktober 2025 kam es in kurzer Zeit zu diversen Drohnensichtungen etwa am Münchner Flughafen. Flüge musste damals abgesagt werden, in der Bevölkerung wuchs die Unsicherheit - gerade auch, weil nicht ausgeschlossen werden konnte, inwiefern die Fluggeräte im Kontext des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine standen. Primär sind für die Landesabwehr zwar Bundeswehr und Bundespolizei zuständig, aber auch der Freistaat soll hier, die notwendigen Fähigkeiten haben, wie Innenminister Joachim Herrmann (CSU) betonte.

Genau hier soll das neue Zentrum ansetzen, welches das Kabinett in einer Art Eilverfahren am 7. Oktober beschlossen hat. Ziel ist es, den Bedrohungen im Kampf um die Lufthoheit entschiedener, schneller und wirksamer zu begegnen. Bisher war die Drohnenabwehr bei den Spezialeinheiten der Polizei verortet. Zudem hatten einzelne regionale Verbände Kompetenzen. Das DKAZ erweitert und ergänzt diese bestehenden Strukturen.

Wie will die Polizei das praktisch erreichen?

Im DKAZ arbeiten seit dem 1. April mehr als 40 Einsatzkräfte, hier werden alle technischen Fähigkeiten und personellen Ressourcen der bayerischen Polizei zum Umgang mit Drohnen gebündelt. Laut Söder sollen es am Ende 100 Polizisten sein. Diese sind in einem engen Austausch mit anderen Bundesländern und natürlich auch mit dem Drohnenabwehrzentrum der Bundespolizei in Berlin. In anderen Bundesländern gibt es ähnliche Zentren zur Drohnenabwehr bisher nicht. 

Im Alltag werden alle Daten, etwa der Deutschen Flugsicherung, analysiert, um nicht von einer Drohne überrascht zu werden. Denn je nachdem wo die Geräte auftauchen, braucht es zur Abwehr einen gewissen Vorlauf, bis die Einsatzkräfte samt Ausrüstung vor Ort sein können. Bei der Gefährdungseinschätzung geht es dann unter anderem um die Frage, ob eine konkrete Gefahr für Leib oder Leben einer Person besteht. 

Bei Großveranstaltungen wie dem Münchner Oktoberfest, wird das DKAZ von Anfang an in die Planung integriert. Die Luftraumüberwachung erhält somit eine neue Bedeutung in jedem Sicherheitskonzept in Bayern. Bei bundesweiten Einsätzen übernimmt das DKAZ zudem die Koordination des Einsatzes für die bayerischen Einheiten, die möglicherweise zur Unterstützung eingefordert werden. «Bayern kann damit auch einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit Deutschlands leisten», betonte Söder.

Hat das DKAZ weitere Aufgaben?

Ja, es ist auch für die Fortbildung im Bereich der Drohnennutzung und -abwehr sowie für die Koordination der Neubeschaffung von Einsatzmitteln zuständig. Somit soll sichergestellt sein, dass die Einsatzkräfte technisch immer auf dem neusten Stand sind und auch das nötige Know-how haben, um die Weiterentwicklungen im Blick zu behalten. Zudem soll sich das DKAZ auch im Bereich der Forschung engagieren.

Welche technischen und personellen Fähigkeiten hat das DKAZ?

Die Einsatzkräfte sind in der Lage, sämtliche Detektions- und Verifikationsmöglichkeiten auf verschiedenen technischen Ebenen sowie verschiedenste Optionen um auf Drohen adäquat einwirken zu können. Für die richtige Strategie bei der Drohnenabwehr ist es überaus wichtig, zu wissen, um was für ein Fluggerät es sich da am Himmel handelt. 

Dies reicht vom Ansprechen eines Drohnenpiloten bis zur kinetischen Neutralisation einer Drohne - also etwa den Einsatz von Kamikaze-Drohnen, Fangnetzen oder einem Gewehrschuss, um zu verhindern, dass ein Angreifer sein Ziel erreicht. Bayernweit sind in den vergangenen Jahren etwa 500 Einsatzkräfte zu Drohnenpiloten ausgebildet worden. «Holen wir die Dinger runter, die uns gefährlich sind», sagte Söder.

Wie ist die aktuelle Bedrohungslage?

Im vergangenen September und Oktober überschlugen sich in Europa, Deutschland und auch in Bayern Ereignisse mit Drohnensichtungen rund um Kasernen, Flughäfen und Einrichtungen der kritischen Infrastruktur. In fünf Fällen ereigneten sich Vorfälle an bayerischen Flughäfen, landesweit wurden bis zum 25. September in Bayern 22 Fällen registriert. Seither ist es aber wieder deutlich ruhiger geworden - dies hat aber auch damit zu tun, dass aus Gründen der inneren Sicherheit, keine Einsatzzahlen und Details mehr von den Behörden veröffentlicht werden.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) warnte aber davor, die Gefahr zu unterschätzen. Er verwies auf die angespannte sicherheits- und geopolitische Lage, die vor allem von zunehmenden Konflikten, hybriden Bedrohungen und neuen Formen der Einflussnahme geprägt sei: «Angriffe auf unsere kritische Infrastruktur, den Luftverkehr oder militärische Einrichtungen richten sich gegen die nationale und die europäische Sicherheit, verursachen erhebliche wirtschaftliche Schäden und verunsichern die Bevölkerung.»

© dpa-infocom, dpa:260504-930-31707/2