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Studierte Pflegekräfte - was bedeutet das für die Patienten?

Macht ein akademischer Abschluss den Pflegeberuf attraktiver? Was haben die Patienten davon? Erhöht das nicht die Kosten im Gesundheitssystem? Ein Experte der Hochschule Hof hat Antworten.

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Pflegerin und Patientin Marijan Murat/dpa

Hof (dpa/lby) - Die Pflegebranche soll für Fachkräfte attraktiver werden - das fordert die Politik schon seit Jahren. Eine Idee: Pflegekräfte können studieren und einen akademischen Abschluss erwerben. Patientinnen und Patienten würden davon sehr profitieren, findet Matthias Drossel, Professor für angewandte Gesundheitsversorgung an der Hochschule Hof. Am Standort Bamberg der Einrichtung sind kürzlich entsprechende Studiengänge gestartet.

«Es kommt zu keinen Versorgungsabbrüchen mehr», betont Drossel. Versorgungsabbrüche schadeten den Patienten und kosteten Geld, wenn etwa Langzeitpatienten aus ihrer gewohnten Pflegesituation herausgerissen würden, wenn sie ins Krankenhaus müssten, erläutert der Experte. «Um diese Abbrüche zu vermeiden, kann Pflege einen wichtigen Beitrag leisten.» Deshalb gelte: «Die Akademisierung bietet ein Rieseneinsparpotential im Bereich der Pflege- und Gesundheitskosten.» Es bedeute also keinesfalls, dass die Kosten im Gesundheitssystem steigen, wenn in der Pflege Akademiker arbeiten. 

Schwerpunkte: Demenz, Diabetes, Wunden

Auch aus dem bayerischen Pflegeministerium heißt es: Internationale Studien zeigten, dass ein höherer Anteil an Pflegefachkräften mit Bachelorabschluss Vorteile für die Patientenversorgung habe. Was aber genau sollen jene Absolventen in der Pflegebranche machen, wenn sie ihr Studium an der Hochschule Hof absolviert haben? Die Felder reichten von der Klinik über Langzeitpflege bis hin zur ambulanten Versorgung, sagt Drossel.

Schwerpunkte seien Patientinnen und Patienten mit Demenz, Diabetes und Wunden. «Im Prinzip sind die Absolventinnen und Absolventen für alle Versorgungsbereiche sehr gut ausgebildet. Die Spezialisierung erfolgt ohnehin danach.» Es gehe darum, dass komplexe Versorgungssituationen von Patienten betrachtet werden und entsprechend die medizinisch-pflegerische Planung übernommen wird. Man sei auch beratend für Kollegen tätig.

Ausbildung für die Praxis, nicht für die Verwaltung

Die Ausbildung sei für die Praxis gedacht – nicht für Stabstellen, nicht für die Verwaltung. «Sie sollen am Patienten bleiben, der Fokus liegt auf das Interagieren mit den Patienten. Wir bilden für den Versorgungsprozess aus.»

Gerade im Pflegebereich werde immer bemängelt, dass auch andere Berufsgruppen mitreden, erläutert der Experte. Die Akademisierung führe dazu, dass sich Kompetenzen und Befugnisse der Pflege erweiterten. Und: Es gehe auch um evidenzbasierte Entscheidungen: Maßnahmen und Entscheidungen sollten wissenschaftlich und durch Studien begründet werden. 

Für die Akademisierung spreche auch: «Wir sehen heute: Pflege wird gehört, man diskutiert auf Augenhöhe mit Fachbereichen wie Medizin oder sozialer Arbeit.»

Fachkräfte für die Region

Der Wissenschaftler ist davon überzeugt, dass Ausbildung und Studium im Pflegebereich nicht gegeneinander ausgespielt werden. «Das Gegenteil ist der Fall. Es müssen alle Fähigkeiten und Kompetenzen zusammengebracht werden - von der Assistenz über die ausgebildete Fachkraft bis hin zur akademischen Fachkraft. Wir wollen Spezialisten für alle Felder in der Pflege.»

Studienplätze in den Regionen seien auch wichtig für die Versorgungssituation in ländlichen Regionen. Und auch für die Menschen, die in dieser Region bleiben wollen – und nicht für ein Studium abwandern, betont Drossel. «Es spielt eine wichtige Rolle, dass wir Menschen so in der Region halten können.»

Ministerin: Studium wird gut angenommen

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) sagte auf Anfrage: «Angesichts der zunehmend komplexen Versorgungsstrukturen in der Pflege ist es wichtig, auch den Pflegeberuf aufzuwerten und attraktiv zu gestalten.»

Ein Pflegestudium sei eine wichtige Ergänzung zur beruflichen Ausbildung «und ein entscheidender Schritt in Richtung einer Akademisierung und Professionalisierung des Berufsfelds. Denn es steht außer Frage: Wir brauchen gut ausgebildete Pflegekräfte, um die Pflege zukunftsfest zu gestalten». Steigende Immatrikulationszahlen zeigten, dass das Pflegestudium gut angenommen werde.

Studium an neun Standorten

An neun Standorten wird in Bayern derzeit ein Pflegestudium angeboten, in dem junge Menschen den Abschluss «Bachelor of Science (B.Sc.)» erlangen können. 2020 startete das Pflegestudium offiziell in Deutschland. Aus dem Ministerium heißt es, dass die Zahl der Pflegestudierenden im Freistaat derzeit bei knapp 370 liegt. Laut den aktuellen Zahlen der Pflegeausbildungsfonds Bayern GmbH ist der überwiegende Teil weiblich. Über das Pflegestudiumstärkungsgesetz gibt es eine Vergütung fürs Studium.

© dpa-infocom, dpa:260321-930-845641/1