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Welthandballer spricht über Zusammenbruch: «Habe geweint»

Mathias Gidsel redet offen über dunkle Zeiten: Warum sich der Handballer von den Füchsen Berlin Hilfe suchte und wie zwei Stimmen in seinem Kopf gegeneinander kämpfen.

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Mathias Gidsel Andreas Gora/dpa

Berlin (dpa) - Welthandballer Mathias Gidsel hat einen mentalen Zusammenbruch vor fünf Jahren als tiefen Einschnitt und Wendepunkt in seinem Leben beschrieben. In einem Interview mit der «Frankfurter Allgemeine Zeitung» schilderte der Starspieler der Füchse Berlin eindringlich, wie sehr er nach seinem WM-Debüt 2021 unter dem plötzlichen Ruhm gelitten habe. 

«Die halbe Nation saß vor dem Fernseher, jeder kannte meine Geschichte, jeder wollte etwas von mir, und ich habe zu allem Ja gesagt. Es hätte eigentlich die beste Zeit meines Lebens sein sollen. Aber irgendwann hatte ich einen Zusammenbruch. Ich habe angefangen, um sieben Uhr abends ins Bett zu gehen, ich saß allein in meiner Wohnung und habe geweint», verriet der Olympiasieger, der damals zu den WM-Entdeckungen gehörte.

Gidsel: «Dann habe ich aber doch Hilfe gesucht»

Fünf Jahre später hat mentale Gesundheit einen wichtigen Stellenwert im Leben des Dänen. «Viele Leute haben gesagt: Such dir Hilfe, aber in den ersten ein, zwei Monaten habe ich immer noch gedacht: lasst mich, das kann ich selbst regeln. Dann habe ich aber doch Hilfe gesucht, zum Glück», sagte Gidsel und verriet: «Ich habe meinen Mentaltrainer, den ich jederzeit anrufen kann.»

Heute wisse er, dass er ein anderes Mindset habe als die meisten Spieler. «Für mich geht es beim Handball darum, rauszugehen und Spaß daran zu haben. Ich weiß, wenn ich guten Handball spiele, dann wird es schwer, mich und mein Team zu schlagen. Aber das Ergebnis selbst nehme ich dafür aus der Gleichung raus», erklärte der Däne, der mit dem Nationalteam heute Abend (19.30 Uhr) ein Testspiel gegen Deutschland bestreitet. 

Gidsels innerer Kampf: Stimme A gegen Stimme B

Einer seiner mentalen Übungen auf dem Feld sei der Dialog mit sich selbst. «Da gibt es die Stimme A, dieser Typ, der alles mit seinem Instinkt macht, dem alles ganz leicht fällt. Und da ist Stimme B, der Typ, der über alles nachdenkt, der kommentiert und hadert, der auch die Einflüsse von außen wahrnimmt», beschrieb Gidsel die Zerrissenheit. Er habe gelernt, Stimme B kleinzukriegen.

«Ich muss Spaß haben, ich muss aggressiv sein, ich muss Energie zeigen. Diese Punkte checke ich manchmal während des Spiels. Und wenn ich merke, bei einem der Punkte stimmt etwas nicht, muss ich anfangen, etwas zu ändern», sagte Gidsel.

© dpa-infocom, dpa:260515-930-81970/1