Futuristisch, aber düster: Neues Album von Fontaines D.C.
Fontaines D.C. sind längst einer der großen Namen der Indie-Rock-Szene. Vom Gitarrensound ihrer ersten Jahre hebt sich die Band auf ihrem neuen Album «Dopamine Chamber» noch weiter ab.
Dublin/London (dpa) - Kaum eine Band steht so sehr für die Indie-Rock-Szene der 2020er Jahre wie Fontaines D.C.: 2014 von Musikstudenten aus der irischen Hauptstadt Dublin gegründet, ist die Band längst aus den Line-ups großer Festivals nicht mehr wegzudenken. Mit «Dopamine Chamber» erscheint am 16. Oktober das neue Studioalbum der Band.
Die neue Platte ist die fünfte der Band innerhalb von nur acht Jahren, seitdem sie 2019 mit «Dogrel» ihr Debüt feierte. Die ersten drei Alben waren noch stark von Gitarrensound dominiert – begleitet vom oft lauten Leadsänger Grian Chatten – und beschäftigten sich mit dem Leben in Irland sowie dem enttäuschten Abschied aus ihrem Heimatland. Doch in «Dopamine Chamber» setzt sich ein Trend fort, mit dem sich schon das 2024 erschienene vierte Album «Romance» stark von den Vorgängerwerken unterschied: weniger Gitarren, dafür mehr Synthesizersound und gar orchestrale Einschübe.
«Automatisierung und Gefühlsverlust» als Inspiration
Im neuen Album wird das noch stärker deutlich. Elektronische Töne gewinnen mehr die Überhand, Gitarren sind dagegen nur selten klar zu hören, auch Leadsänger Chatten kommt leiser daher. Die Klänge werden gar futuristisch, im Vergleich zu «Romance» aber auch merkbar düsterer. Das passt dazu, wie die Band ihr neues Album selbst beschreibt: Eines, das noch stärker von «Automatisierung und Gefühlsverlust» in der Welt gekennzeichnet sei als das Vorgängerwerk, erklärt Chatten.
Dass schon «Romance» nicht alle Fans der Gruppe so sehr abgeholt hatte wie die ersten Alben, dafür aber auch neue gewonnen hatte, dürfte sich mit «Dopamine Chamber» fortsetzen. Highlights gibt es auf jeden Fall: etwa «Tongue», basslastig und der wohl am härtesten klingende Song auf dem Album. Oder die Ballade «Where Is Gone?», ein überraschendes, aber schönes Duett mit Latin-Pop-Star Rosalía. Schade jedoch: ein starker Mitsing-Song, wie es etwa «Starbuster» oder «Favourite» auf dem Vorgängeralbum waren, fehlt.
Langjähriger Manager der Band starb unerwartet
«Dopamine Chamber» erscheint in einer bewegten Zeit für die Band. Nicht nur wegen der vielen Konzerte, die die Gruppe in den vergangenen Jahren mit relativ wenigen Pausen spielte. Sondern auch gerade wegen eines tragischen Falls, der die Band kürzlich traf: Ihr Manager Trevor Dietz, der die Band seit ihren Anfangszeiten begleitet hatte und von der Gruppe gar als sechstes Mitglied bezeichnet wurde, war im Juni plötzlich im Alter von nur 47 Jahren gestorben.
Einen Gang nach unten scheint die Band dennoch nicht zu schalten. Noch in diesem Monat gehen Fontaines D.C. wieder auf Europatour, mitsamt einem bereits ausverkauften Auftritt in Berlin im November und weiteren Terminen in Deutschland im kommenden Jahr. Zumindest spekuliert wird zudem darüber, ob der Band 2027 eine besondere Ehre zukommen könnte: ein Auftritt als Headliner beim großen Glastonbury-Festival in Großbritannien.