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Gescheiterte Hinrichtung von Pike: Debatte über Personal

Christa Pike überlebt ihre Hinrichtung – nun gerät das Personal in den Fokus, der Behördenchef tritt zurück. Gerichtsdokumente werfen Fragen zu Erfahrung, Ausbildung und Training der Beteiligten auf.

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Demonstration gegen die Todesstrafe George Walker IV/AP/dpa

Nashville (dpa) - Nach der gescheiterten Hinrichtung der US-Amerikanerin Christa Pike per Giftspritze tritt der Leiter der Strafvollzugsbehörde von Tennessee zurück. Frank Strada werde das Amt in diesem Monat niederlegen, gab der Gouverneur Bill Lee am Samstag bekannt. Strada erklärte, sein Rückzug sei «im besten Interesse der Bevölkerung von Tennessee». 

Pike sollte am Mittwoch (Ortszeit) hingerichtet werden, überlebte allerdings zwei Giftspritzen. Die 50-Jährige war nach Angaben ihrer Anwälte zuletzt weiter bewusstlos und an ein Beatmungsgerät angeschlossen. 

Warum Pike trotz zweier Dosen des Medikaments Pentobarbital überlebte, ist weiterhin unklar. Der Schritt folgt auf Tage wachsender Kritik an der Qualifikation und Ausbildung des beteiligten Personals. US-Medien warfen Fragen sowohl zu Stradas Rolle als auch zu dem an der Hinrichtung beteiligten Arzt auf. Gouverneur Lee ordnete zudem eine unabhängige Untersuchung an. 

Zwei gescheiterte Hinrichtungen in vier Monaten

Der zuständige Arzt war nach Berichten unter anderem der «New York Times» und des lokalen Fernsehsenders WSMV auch an einem anderen gescheiterten Hinrichtungsversuch in Tennessee beteiligt. Im Mai hatten Mitarbeiter bei einem anderen verurteilten Straftäter zwar zunächst einen intravenösen Zugang gelegt, scheiterten aber an einem vorgeschriebenen zweiten. Auch dem Arzt gelang es anschließend nicht, einen zentralen Venenkatheter zu legen. Die Hinrichtung wurde abgebrochen. 

Schon danach gab es Zweifel an dessen Erfahrung mit solchen Eingriffen. In einer eidesstattlichen Aussage sagte der Allgemeinmediziner, er habe in seiner Laufbahn etwa ein Dutzend oder mehr zentrale Zugänge gelegt - den letzten allerdings ungefähr 2013. Bei einem früheren Eingriff sei ein Führungsdraht versehentlich in einer Halsschlagader gelandet. Ein von Pikes Verteidigung beauftragter Anästhesiologe kam vor ihrer Hinrichtung zu dem Schluss, er verfüge nicht über die fortlaufende praktische Erfahrung, die medizinische Einrichtungen üblicherweise für solche Eingriffe verlangen.

Pikes Anwälte vermuten, dass zumindest ein Teil des genutzten Pentobarbitals nicht in die Blutbahn gelangte. Bei Pike ist bislang allerdings nicht geklärt, ob der Arzt selbst für die problematischen intravenösen Zugänge verantwortlich war. 

Frühere Probleme in Tennessee und Arizona

Eine vom Staat in Tennessee veranlasste unabhängige Untersuchung kam bereits 2022 zu dem Ergebnis, dass die damals eingesetzte, mit Hinrichtungen betraute Person keine formale medizinische Ausbildung hatte und ihre Aufgabe vor allem während der Arbeit gelernt hatte. Auch die Ausbildung des Teams für die intravenösen Zugänge steht in der Kritik. Seit 2025 wird bei monatlichen Probehinrichtungen kein intravenöser Zugang mehr gelegt, vorgesehen ist aber weiterhin eine jährliche externe Schulung.

Kritik richtet sich zudem gegen den nun zurückgetretenen Gefängnisdirektor Strada selbst, der für die Zusammenstellung der Hinrichtungsteams mitverantwortlich war und deren Training und Einsatz überwachte. Bevor er 2023 nach Tennessee wechselte, war er in leitender Position im Strafvollzug von Arizona für Hinrichtungen mitverantwortlich. Bei allen drei dort 2022 vollstreckten Todesurteilen gab es Schwierigkeiten beim Legen der intravenösen Zugänge, wie unter anderem die «New York Times» und der «Guardian» berichten.

Nach dem Regierungswechsel in Arizona benannte dessen Nachfolger 2023 nach Prüfung mehrere «kritische Probleme» für die Durchführung von Hinrichtungen, darunter unzureichendes Wissen und Fachkenntnis.

Giftspritze erneut in der Kritik

Der neueste Fall befeuert zugleich eine Debatte über die Giftspritze. Pikes Anwälte hatten noch vor ihrer Hinrichtung vor Schwierigkeiten beim Zugang zu ihren Venen gewarnt. In ihrem Verfahren gegen das Hinrichtungsprotokoll schlugen sie unter anderem eine andere Form der intravenösen Verabreichung mit entsprechend qualifiziertem Personal sowie Hängen als Alternative vor. Tennessee hielt dagegen, dass eine Hinrichtung durch Hängen gesetzlich nicht vorgesehen und praktisch nicht verfügbar sei.

Medien wie die «Washington Post» berichteten zudem über ein Erschießungskommando als von der Verteidigung genannte Alternative. Pike hätte nach dem Recht Tennessees wegen des Zeitpunkts ihrer Tat prinzipiell auch den elektrischen Stuhl wählen können. 

Ursprünglich war sie 1996 zum Tod durch elektrischen Stuhl für den Mord an einer damals 19-jährigen Bekannten verurteilt worden. Pike war zum Tatzeitpunkt 18 Jahre alt. 1995 hatten drei Teenager das Opfer in einem abgelegenen Gebiet nahe der University of Tennessee in Knoxville gefoltert und getötet.

© dpa-infocom, dpa:261003-930-784969/2