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Israel und USA attackieren Iran - Trump will Machtwechsel

Drohungen von US-Präsident Trump gegen den Iran schürten seit Wochen Sorgen vor einem neuen Krieg. Kurz nach neuen Verhandlungen machen die USA und Israel am Morgen ernst.

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Israel greift den Iran an - Iran Uncredited/AP/dpa

Tel Aviv/Teheran/Washington (dpa) - Mit breit angelegten Angriffen haben Israel und die USA einen neuen Krieg gegen den Iran gestartet. Die Islamische Republik reagierte mit Gegenangriffen auf Israel und US-Militärstützpunkte in mehreren Golfstaaten. Israel hatte am Morgen den Beginn eines «Präventivschlags» verkündet. US-Präsident Donald Trump bestätigte kurz darauf in einer Videobotschaft Angriffe des US-Militärs.

Diese zielten darauf ab, die militärische Schlagkraft des Landes zu vernichten und den Iran an der Entwicklung einer Atomwaffe zu hindern. Trump rief die Iraner auf, die Führung des Landes in die Hand zu nehmen. «Wenn wir fertig sind, übernehmt eure Regierung.»

Explosionen versetzten die Menschen in der Hauptstadt Teheran in Panik, Angriffe wurden aber auch auf andere Orte des Landes gemeldet. Der Iran feuerte als Reaktion Raketen Richtung Israel, wo Menschen in Schutzräumen ausharrten und es immer wieder Raketenalarm gab. Für den neuen Krieg mit dem Iran will das Land rund 70.000 Reservisten einberufen. 

Der Iran griff auch US-Militärstützpunkte Golfstaaten an, die mit den Vereinigten Staaten verbündet sind. Die Vereinigten Arabischen Emirate, wo in Abu Dhabi ein Mensch durch Trümmerteile einer Rakete getötet wurde, sprachen von einer «gefährlichen Eskalation» und einem «feigen Akt».

Angriffe folgen auf Verhandlungen 

Am Donnerstag hatten die USA und der Iran noch indirekt über das umstrittene Atomprogramm des Landes verhandelt. Für eine Einigung hatte Trump Teheran ein Ultimatum bis Anfang März gestellt - und auch mit militärischen Maßnahmen gedroht, sollte keine Einigung erzielt werden. Nun begannen die Angriffe noch im Februar.

Bereits vergangenes Jahr hatten Washington und Teheran über das Atomprogramm verhandelt, ehe Israel den Iran angriff. Die USA schlossen sich den Luftangriffen an und bombardierten zentrale Atomanlagen. Irans Luftstreitkräfte feuerten daraufhin ballistische Raketen auf Israel.

Trump: Iran wollte einfach nur Böses tun

Trump rief die iranische Bevölkerung auf, Schutz zu suchen. «Bomben werden überall fallen.» Die Führung des Landes beschuldigte er, sich gegen einen Deal über das Atomprogramm gesperrt zu haben. Sie habe jede Gelegenheit abgelehnt, die nuklearen Ambitionen aufzugeben, sagte Trump. «Sie wollten einfach nur Böses tun.»

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu begründete die neuen Angriffe ebenfalls mit der atomaren Bedrohung durch den Iran - nicht nur für sein Land. «Es darf nicht zugelassen werden, dass sich das mörderische Terrorregime mit Atomwaffen ausrüstet, die es ihm ermöglichen würden, die gesamte Menschheit zu bedrohen», sagte Netanjahu in einer Videobotschaft. 

Ein israelischer Militärvertreter sagte zu den Gründen des Angriffs, die iranische Führung habe zuletzt massiv die Produktion ballistischer Raketen beschleunigt und zugleich verdeckt an ihrem Atomprogramm gearbeitet. Gleichzeitig finanziere sie Stellvertreter wie die Hisbollah mit Hunderten Millionen Dollar, um Israel zu bedrohen. Ein weiteres Abwarten sei daher keine Option gewesen, da die Bedrohung sonst sowohl quantitativ als auch qualitativ gewachsen wäre.

Der Iran forderte die Vereinten Nationen und die internationale Staatengemeinschaft dazu auf, die Attacken zu verurteilen und Maßnahmen zu ergreifen. Die Sicherheit der Region und der Welt seien einer beispiellosen Bedrohung ausgesetzt, hieß es in einer Mitteilung des Außenministeriums, die auch den iranischen Verhandlungswillen bekräftigte. «Wir sind erneut in Verhandlungen eingetreten, um gegenüber (...) der Welt den Beweis der Rechtschaffenheit des iranischen Volkes zu erbringen», hieß es. 

Iranische Staatsmedien berichteten auch über Explosionen am Rande der Stadt Isfahan. Südöstlich von Isfahan liegt ein wichtiges Nuklearzentrum, das bereits im vergangenen Jahr bombardiert wurde. Es ist unklar, ob wie im vergangenen Jahr erneut Atomanlagen bombardiert wurden. 

Todesopfer im Iran gemeldet

Im Süden des Irans gab es nach lokalen Behördenangaben bei einem Angriff auf eine Mädchenschule Tote. Dutzende Schülerinnen seien ums Leben gekommen und viele verletzt worden, berichtete der staatliche Rundfunk. Rund 170 Schülerinnen sollen sich in der Schule zum Zeitpunkt des Raketenangriffs aufgehalten haben. 

Nach iranischer Darstellung sollen wichtige Staatsmänner am Leben sein. Wohlauf seien neben Präsident Massud Peseschkian auch Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf sowie der Generelsekretär des Sicherheitsrats, Ali Laridschani. Berichte über den Verbleib von Irans oberstem Führer, Ajatollah Ali Chamenei, gab es zunächst nicht.

In der Millionenmetropole Teheran bildeten sich nach den Angriffen Israels und der USA lange Schlangen an den Tankstellen. Massen versuchten, die Hauptstadt zu verlassen, wie Augenzeugen berichteten. Viele Läden waren geschlossen. Im Norden der lebendigen Metropole herrschte gespenstische Stille.

Aus dem Iran drangen allerdings nur wenige Nachrichten nach außen. Das Internet war wieder massiv eingeschränkt. 

Raketenalarm in vielen Teilen Israels

In vielen Teilen Israels und des Westjordanlands gab es immer wieder Luftalarm wegen anfliegender Raketen und Geschosse. Sirenen heulten in Tel Aviv, in Jerusalem und in der Negev-Wüste, wie die Nachrichtenseite Ynet berichtete. Auch aus dem Norden Israels wurde Luftalarm gemeldet. 

Medien berichteten nach Beginn der iranischen Gegenangriffe über vereinzelte Einschläge. Die Polizei habe Granatsplitter in Jerusalem und in der Stadt Beit Schemesch beseitigt, schrieb zudem der Rettungsdienst Magen David Adom auf der Plattform X. Ein Gebäude in der Stadt Tirat Carmel südlich von Haifa sei beschädigt worden. Im Norden sei ein Mann durch die Druckwelle einer Explosion verletzt worden. Dem Rettungsdienst zufolge verletzten sich auch Menschen auf dem Weg in Schutzräume und wurden wegen Angstzuständen behandelt. 

Bundesregierung berät über neue Eskalation

Die Bundesregierung berät über die neue Eskalation in Nahost. Im Auswärtigen Amt wurde der Krisenstab einberufen. Man sei am Morgen vorab über die Angriffe Israels auf den Iran informiert worden, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius. Am Montag wollte Kanzler Friedrich Merz in die USA reisen und dort am Dienstag Trump treffen. Ob es dabei bleibt, ist unklar. 

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bezeichnete die Entwicklung als «äußerst besorgniserregend». «Wir rufen alle Parteien auf zu größtmöglicher Zurückhaltung, Zivilisten zu schützen und das Völkerrecht zu achten», schrieb sie auf X.

© dpa-infocom, dpa:260228-930-748276/11