Orban warnt vor Krieg – Magyar verspricht Neuanfang
«Die Theiß schwillt an!»: Magyars Anhänger fordern einen Wandel, während Orban auf Erfahrung und Sicherheit pocht. An diesem Sonntag entscheiden die Wähler, wer das Rennen macht.
Budapest/Debrecen (dpa) - Zum Abschluss des Wahlkampfs in Ungarn haben Ministerpräsident Viktor Orban und sein chancenreicher Herausforderer, Oppositionschef Peter Magyar, erneut um die Stimmen der rund acht Millionen wahlberechtigten Bürger geworben. Orban empfahl sich vor allem als Garant dafür, dass das Land nicht in den Krieg in der benachbarten Ukraine hineingezogen werde. Magyar wiederum betonte, dass es darum gehe, der Korruption Einhalt zu gebieten.
«Viele Millionen Ungarn werden morgen für ein europäisches, funktionsfähiges, menschliches, freies und unabhängiges Ungarn stimmen», sagte Magyar am Vorabend der Parlamentswahl am Sonntag in der ostungarischen Stadt Debrecen vor mehr als 10.000 Anhängern seiner bürgerlichen Partei Tisza. «Die Theiß schwillt an!», skandierten sie immer wieder. Die Abkürzung Tisza steht für den Parteinamen Respekt und Freiheit und bedeutet auf Ungarisch zugleich den Fluß Theiß, der durch das Land fließt und früher für seine Überschwemmungen bekannt war.
«Morgen werden wir die Staatspartei (Fidesz von Orban) bezwingen und unsere wunderbare Heimat von Korruption, Lüge, Hassrede und Verarmung befreien», rief er in die Menge. Während Orban russische Agenten geholt habe und den Interessen Moskaus diene, werde seine künftige Regierung das Land wieder in Europa verankern. «Der Platz Ungarns ist, war und wird in Europa sein.»
Orban spricht auch am Wahlkampfende über die Ukraine
Orban wiederum sprach vor gut 2.000 Anhängern vor der berühmten Fischer-Bastei auf der Budapester Burg. «Frieden ist das wichtigste Ziel dieser Wahl», sagte er mit Blick auf den Krieg in der von Russland angegriffenen Ukraine. «Wir werden unsere Kinder nicht in den Krieg (in der Ukraine) ziehen lassen», betonte er. «Wir haben nichts mit diesem Krieg zu tun, es ist ein Bruderkrieg zwischen zwei slawischen Völkern». Orban kämpft seit Monaten hauptsächlich mit Kritik an der Ukraine und Angstmache rund um eine mögliche Verstrickung Ungarns in den Krieg im Nachbarland um Wählerstimmen.
Orban wies zugleich den von vielen Kritikern geäußerten Vorwurf zurück, eine russlandfreundliche Politik zu betreiben. Dass der Vorwurf nicht stimme zeige sich auch daran, dass die derzeitige US-Regierung ihn unterstütze. Dies sei ein Beweis dafür, «dass wir zum Westen gehören», sagte Orban. Vorher hatten US-Präsident Donald Trump und andere US-Politiker Orban Erfolg bei der Wahl gewünscht.
Orban: Zeit für Generationswechsel noch nicht gekommen
Er könne verstehen, dass junge Leute einen Generationswechsel in der Politik wünschten, sagte Orban. Die Zeit dafür sei aber noch nicht gekommen: «Wir leben im Zeitalter der Gefahren», sagte Orban, daher seien «erfahrene» Politiker in der Regierung notwendig. Orban ist 62 Jahre alt und regiert in Ungarn durchgehend seit 16 Jahren. Davor hatte er ein weiteres Regierungsmandat, von 1998 bis 2002.
Meinungsumfragen zufolge könnte Orbans Partei Fidesz die Wahl verlieren, zugunsten von Magyars Partei Tisza. Mit aussagekräftigen Teilergebnissen wird am späten Sonntagabend gerechnet.