Zum Hauptinhalt springen

Plastik oder echter Baum: Welcher Christbaum ist besser für die Umwelt?

Echte Tanne oder Plastikbaum aus dem Keller? Wir haben nachgefragt, welcher Christbaum besser für Klima und Umwelt ist.

ANTENNE BAYERN ANTENNE BAYERN GmbH & Co. KG ANTENNE BAYERN Logo
Eine Frau und ein kleines Mädchen schau sich einen Weihnachtsbaum an Weihnachten Foto: Prostock-studio/Adobe Stock

Die Adventszeit in Bayern bedeutet für viele Familien: Der perfekte Christbaum muss her. Oder der Plastikbaum kommt aus dem Keller. Aber was ist besser für Klima und Umwelt? Simon Nappenbach aus unserer ANTENNE BAYERN Service-Redaktion hat nachgefragt.

Die Kurzantwort

Eine einfache Antwort gibt es nicht. Umweltverbände wie Nabu und BUND empfehlen den echten Baum, am besten aus ökologischem Anbau und aus der Region. Das Umweltbundesamt sagt: Eine pauschale Aussage ist nicht möglich. Entscheidend sind die Art des Anbaus, bei Kunstbäumen die Nutzungsdauer und bei beiden der Weg nach Hause. Insgesamt hat ein Weihnachtsbaum, ob echt oder aus Plastik, nur eine geringe Umweltwirkung, verglichen mit anderen Konsumgütern.

Plastik oder echt im Vergleich:

Kriterium Echter Baum Kunstbaum
Herkunft Laut einer Marktbeobachtung des Umweltbundesamts von 2019 stammen mehr als 90 Prozent der in Deutschland verkauften Weihnachtsbäume aus Deutschland. Häufig aus Asien importiert; dadurch können lange Transportwege entstehen.
Klimabilanz Bindet beim Wachsen CO₂. Für die Gesamtbilanz zählen auch Anbau, Transport und Entsorgung. Für einen durchschnittlichen Plastikbaum werden mehr als 40 Kilogramm CO₂ für Herstellung und Transport angegeben. Entscheidend ist auch, wie lange ihr ihn nutzt.
Umweltbelastung Bei konventionellen Plantagenbäumen können Pestizide und Kunstdünger eingesetzt werden. Zertifizierte Bio-Bäume werden ohne synthetische Pestizide und Mineraldünger angebaut. Besteht aus Kunststoff. Je nach Material können problematische Zusatzstoffe enthalten sein.
Entsorgung Kann nach dem Abschmücken gesammelt und verwertet werden, beispielsweise durch Kompostierung. Ein kaputter Kunstbaum gehört in den Restmüll.
Entscheidend ist Wie und wo er angebaut wurde - und wie weit ihr ihn transportiert. Wie viele Jahre ihr ihn nutzt.

Der echte Baum: Wo wachsen Weihnachtsbäume?

In Deutschland werden jedes Jahr rund 25 bis 30 Millionen Weihnachtsbäume verkauft. Über 90 Prozent davon stammen laut Nabu aus Deutschland. Die übrigen zehn Prozent kommen laut Robin Wood meist aus Dänemark, Ungarn, Österreich, Polen und Tschechien. Der Bundesverband der Weihnachtsbaumerzeuger merkt, dass immer mehr Kunden fragen, woher der Baum kommt.

Die meisten Bäume wachsen nicht im Wald, sondern auf landwirtschaftlichen Flächen. Viele Landwirte bauen sie im Nebenerwerb an. Bis ein Baum gefällt wird, steht er sieben bis zehn Jahre im Freien und bindet in dieser Zeit CO2.

Pestizide im Christbaum: Das sagt der BUND

Mehr als 80 Prozent der Weihnachtsbäume stammen laut Robin Wood aus Plantagen. Dort kommen oft Kunstdünger und Pestizide zum Einsatz. Das ist die Kehrseite des echten Baums.

Der BUND lässt deshalb regelmäßig Bäume im Labor testen. Das Ergebnis ist seit Jahren ähnlich: Rund zwei Drittel der Bäume sind mit Pestiziden belastet.

  • Beim Test von 2020 fand das Labor bei 14 von 23 Bäumen Rückstände. Am häufigsten, bei sieben Bäumen, war das Insektizid Lambda-Cyhalothrin. Es gilt laut BUND als das schädlichste Pestizid, das derzeit in der EU zugelassen ist. In zwei Bäumen steckte Glyphosat.
  • Bei der Wiederholung 2023 waren es wieder rund zwei Drittel von 19 Bäumen. In fünf Bäumen fand der BUND Glyphosat, bei vier Bäumen Mittel, die in der EU oder für Weihnachtsbäume nicht zugelassen sind.
  • Die Bäume stammten überwiegend aus deutschen Plantagen und waren in Baumärkten, Gartencentern und im Straßenverkauf gekauft worden.

Das ist eine Stichprobe und keine Aussage über jeden einzelnen Baum. Sie zeigt aber: Wer auf Nummer sicher gehen will, kauft einen Bio-Baum.

Der Kunstbaum: Ist Plastik die bessere Wahl?

Kunstbäume können viele Jahre halten. Die Frage ist, ob sie das auch tun. Je nach Berechnung müsstet ihr einen Kunstbaum zehn bis 17 Jahre nutzen, damit seine Klimabilanz besser ist als die eines echten Baums. Der Nabu rechnet mit rund 17 Jahren. Viele Kunstbäume sind aber schon früher im Müll.

Dazu kommen die Herstellung und die langen Transportwege. Laut Nabu stammen rund drei Viertel der Kunstbäume aus China. Auch die Produktionsbedingungen sind dort häufig ein Thema, etwa beim Umweltschutz und bei sozialen Standards. Bei der Entsorgung punktet der echte Baum: Er kann kompostiert werden, der Plastikbaum landet im Plastikmüll.

Das Umweltbundesamt rät deshalb: Wer schon einen Kunstbaum hat, sollte ihn möglichst viele Jahre nutzen. Dann ist er unter Umweltgesichtspunkten nicht pauschal schlechter als ein echter Baum.

So findet ihr einen umweltfreundlichen Christbaum

  • Bio-Siegel: Achtet auf das EU-Bio-Siegel oder auf Siegel wie Naturland, Bioland, Demeter, Biokreis oder FSC. Diese Bäume wachsen ohne Pestizide und Mineraldünger. Bei manchen Betrieben übernehmen Schafe das Unkrautjäten.
  • Aus der Region: Kurze Transportwege sind ein Pluspunkt. Fragt auch beim Förster oder Bauern in der Nähe. Viele bauen Christbäume in Bioqualität an, auch ohne offizielles Siegel.
  • Sonderflächen: Manche Forstbetriebe ziehen heimische Christbäume unter Hochspannungsleitungen. Diese Bäume haben oft kein Biosiegel, sind laut Nabu aber meist ebenfalls pestizidfrei.
  • Heimische Arten: Der BUND empfiehlt eine heimische Fichte, Kiefer oder Weißtanne aus einer Öko-Plantage oder aus dem Wald.
  • Selber schlagen: Wo ihr euren Baum selbst schlagen dürft, zeigt diese Karte zum Selberschlagen. Im Wald einfach selbst zur Axt zu greifen, ist verboten.

Baum im Topf: Kann man ihn danach einpflanzen?

Robin Wood sagt: Es kommt darauf an. Ein Baum, der im Topf gewachsen ist, kann nach Weihnachten ins Freie. Bei Bäumen, die nur in den Topf gepresst wurden, ist das meist aussichtslos. Das gibt es oft in Baumärkten. Dort sind die Wurzeln beschädigt, und es wächst nichts mehr an. Lasst den Baum außerdem langsam an die Kälte gewöhnen.

Wer sich für den echten Baum entscheidet: So könnt ihr den Christbaum entsorgen.

Häufige Fragen

Ist ein Plastikbaum besser für die Umwelt als ein echter Baum?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Laut Umweltbundesamt kommt es bei Kunstbäumen auf die Nutzungsdauer an. Nabu und BUND empfehlen den echten Baum, am besten in Bio-Qualität und aus der Region.

Wie lange muss ich einen Kunstbaum nutzen, damit er sich lohnt?

Je nach Berechnung zehn bis 17 Jahre. Der Nabu nennt rund 17 Jahre. Je länger der Baum hält, desto besser ist seine Bilanz.

Woher kommen die meisten Weihnachtsbäume?

Über 90 Prozent der in Deutschland verkauften Weihnachtsbäume stammen aus Deutschland. Der Rest kommt meist aus Dänemark, Ungarn, Österreich, Polen und Tschechien.

Sind echte Weihnachtsbäume mit Pestiziden belastet?

Teilweise ja. Beim BUND-Test waren rund zwei Drittel der Stichproben belastet. Bäume mit EU-Bio-Siegel oder Siegeln wie Naturland, Bioland, Demeter, Biokreis und FSC wachsen ohne Pestizide.

Welche Siegel gibt es für Bio-Christbäume?

Das EU-Bio-Siegel sowie Naturland, Bioland, Demeter, Biokreis und FSC.

Kann ich einen Christbaum im Topf nach Weihnachten einpflanzen?

Nur, wenn er im Topf gewachsen ist. Bäume, die nur in den Topf gepresst wurden, wachsen meist nicht an.

Ist ein echter Weihnachtsbaum klimaneutral?

Laut Nabu liegt seine CO2-Bilanz bei nahezu null, weil er beim Wachsen CO2 bindet. Dünger, Pestizide und der Transport verschlechtern die Bilanz. Je kürzer der Weg, desto besser.

Wo bekomme ich einen regionalen Baum?

Beim Förster oder Bauern in der Nähe oder auf einer Plantage, auf der ihr den Baum selbst schlagt. Im Wald dürft ihr nicht ohne Erlaubnis selbst einen Baum fällen.

Was passiert nach Weihnachten mit dem Baum?

Der echte Baum kann zu Humus werden. Viele Gemeinden holen ihn kostenlos ab. Der Plastikbaum landet im Plastikmüll.

Mehr rund um den Christbaum: