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Der Placebo-Effekt funktioniert auch bei Tieren: Das steckt dahinter

Der Begriff ist bekannt. Die Wissenschaft dahinter ist jedoch beeindruckender als ihr denkt. Wie der Effekt auch bei Tieren wirkt und was das Gegenteil von Placebo ist, lest ihr hier.

Ein Hund vor einem Tisch mit Tabletten/Medikamenten Gesundheit Foto: Adobe Stock / Luetjemedia

Der Placebo- Effekt spielt in der Medizin eine wichtige Rolle. Er hilft Forschern zu verstehen, wie der Körper auf bestimmte Signale reagiert. Dieses Wissen kann sogar auf Tiere übertragen werden. Das gilt ebenso wie das Wissen über den gegenteiligen Nocebo- Effekt.

Placebo: Was war das nochmal?

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) benennt Placebos als Medikamente ohne Wirkstoffe, die bei jedem dritten Menschen gesundheitliche Symptome besänftigen. Das Ganze ist reine Kopfsache. Der Patient erwartet, dass es ihm nach einer Behandlung besser geht. Durch diese Hoffnung auf Besserung entfacht er im Gehirn Endorphine. Diese wirken im Körper wie natürliche Schmerzmittel und wie eine körpereigene Variante von Morphium. Das Gehirn sorgt praktisch selbst für die Behandlung. 

Placebos für Fortgeschrittene

Der besagte Effekt funktioniert auch im Unterbewusstsein. Das Stichwort lautet Konditionierung: Bei einem regelmäßigen Aspirin Verzehr bei Kopfschmerzen, könnte die Pille durch eine Brausetablette ohne Wirkstoffe ausgetauscht werden. Der Effekt wäre sehr ähnlich, wenn nicht sogar gleich. Das Gehirn ist durch die regelmäßige Kombination so programmiert, dass Geschmack und Sprudelwasser schmerzlindernd wirken.

Der programmierte Körper

Erstaunlich ist eine Erkenntnis des Universitätsklinikums Freiburg im Fachmagazin Science Reports 2021. Die Teilnehmer einer Studie wurden von Beginn an darüber informiert, wie Placebo funktioniert und, dass sie Placebo Tabletten bekommen werden. Bei einem Großteil der Probanden sind trotzdem Symptome wie Rückenschmerzen, Reizdarmsyndrom oder sogar ADHS deutlich gelindert worden. Die Ursache hierfür ist noch nicht vollkommen untersucht. Allerdings wäre auch hier der konditionierte Körper eine mögliche Erklärung. Aus Erfahrung verbindet unser Organismus mit dem Verzerr einer Pille eine positive Wirkung und löst die entsprechenden Funktionen aus. Ganz automatisch, jenseits unserer Erwartungen.

Nocebo: Wie Placebo nur andersrum

Das Umweltbundesamt stellt uns das Gegenteil vom Placebo-Effekt vor. Beim Nocebo-Effekt gehen Menschen davon aus, dass eine Sache ihnen nicht gut tun wird und leiden folglich an den erwarteten Beschwerden. Das gilt nicht nur für Medikamente. Auch beim Infraschall, bei Windrädern und dem elektromagnetischen Feld eines Handys tritt dieser Effekt ein. Die Erklärungen scheinen ähnlich wie beim Placebo-Effekt mit einer unbewussten Konditionierung zusammen zuhängen. Obwohl das ganze noch nicht komplett neurologisch erforscht ist, gibt es eine Reihe an Beweisen für den Nocebo-Effekt. Oft hat sich gezeigt, dass Menschen, die den Beipackzettel von Medikamenten lesen, eher Nebenwirkungen spüren als die anderen, die den Zettel ignoriert haben. 

Nocebo-Effekt nach Covid-Impfung

Bei verschiedenen Studien haben 45.000 Menschen teilgenommen: Die Hälfte hat einen Placebo Impfstoff erhalten. Ein drittel dieser Gruppe hat sich später über Müdigkeit und Kopfschmerzen beschwert. Unter den Teilnehmern mit echtem Präparat waren 46 % nach der ersten und 61 % nach der zweiten die sich schlecht gefühlt haben. Die Forscher der Harvard Medical School und der Philipps Universität Marburg haben im Fachmagazin „Jama Network Open“ die Folgerung gezogen, dass rund drei Viertel der Reaktionen nach der ersten und die Hälfte nach der zweiten auf den Nocebo- Effekt zurückzuführen sind. Das ist leicht zu erklären: Die Covid-Impfung wurde im Voraus viel heißer diskutiert als andere. Gleichzeitig ist die Angst größer und folglich eine vermehrte Aufklärung notwendig gewesen. Vor Symptomen wie Kopfschmerzen und Fieber wurde besonders gewarnt. Diese Symptome sind am häufigsten bei einem Nocebo-Effekt.

Placebo funktioniert auch bei Tieren. Wieso?

Es ist noch nicht vollkommen wissenschaftlich untersucht, ob Tieren vollkommen klar ist, was Medizin ist. Nur mit dieser Erkenntnis könnte sicher festgestellt werden, dass der Placebo-Effekt bei anderen Lebewesen funktioniert. Viele Versuche in die Richtung Konditionierung geben einen starken Eindruck, dass sich der tierische Organismus ähnlich zu unserem verhält. Wird einem Hund regelmäßig eine Spritze gegeben, die Schmerzen behandelt, dann kann diese Spritze ab einem gewissen Punkt auch mit Kochsalzlösung gefüllt werden und hat die gleiche Wirkung. Dasselbe Spiel gilt beim Nocebo-Effekt: Eine regelmäßige Spritze mit negativen Nebenwirkungen wie Übelkeit kann ebenfalls mit einer Kochsalzlösung ersetzt werden. Die Tiere haben sich auch übergeben.

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