23.07.2021 | Gesundheit Schmerzen - und was dahintersteckt

Jeder kennt sie, jeder hat sie schon mehr als einmal gefühlt: Brennende, stechende, pochende oder pulsierende Schmerzen. Während sie bei den einen lediglich situationsbedingt auftreten, sind sie für andere täglich eine regelrechte Qual. Hier erfahrt ihr, was ihr gegen bestimmte Schmerzzustände tun könnt – und warum Schmerzen eine wichtige Funktion erfüllen.

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Was ist Schmerz?

Die Internationale Schmerzgesellschaft IASP definiert Schmerz als ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis. „Sinneserlebnis“ meint die Qualität und die Stärke des Schmerzes. Beispielsweise wird er als stechend, pulsierend, brennend oder drückend beschrieben. „Gefühlserlebnis“ bezieht sich auf das emotionale Schmerzempfinden, etwa quälend oder unerträglich.

Mit dem Sinnes- und Gefühlserlebnis verbunden ist laut IASP eine tatsächliche oder drohende Gewebeschädigung. Demnach treten Schmerzen im Rahmen von Verletzungen oder Erkrankungen auf oder aufgrund von Reizen, die Verletzungen verursachen können.

Jeder empfindet Schmerzen anders

Gut zu wissen:
Jeder fühlt und erlebt Schmerzen anders
und zudem unterschiedlich stark.

Was genau Schmerz für jeden einzelnen ist, lässt sich aber nicht so klar definieren. Sicherlich ist euch schon einmal folgendes Phänomen aufgefallen: Bei dem gleichen Schmerzreiz scheint der eine kaum etwas zu spüren, während der andere geradezu aufschreit.

Das Schmerzempfinden ist also sehr subjektiv. Das liegt vor allem daran, dass es ein äußerst komplexer Prozess ist, der nicht nur vom Nervensignal, sondern auch von der individuellen körperlichen Wahrnehmung, dem aktuellen Gemütszustand und der Psyche gesteuert wird.

Tatsächlich beeinflusst die psychische Verfassung die Empfindlichkeit für körperliche Schmerzen folgendermaßen:

  • Trauer, Niedergeschlagenheit, Ängste oder Stress können das Schmerzempfinden erhöhen,
  • positive Gefühle dagegen können es verringern.

Außerdem spielen biologische (erbliche) sowie soziale und gesellschaftliche Faktoren wie der erlernte Umgang und frühere Erfahrungen mit Schmerzen eine Rolle. Denn diese Informationen verändern jene Nervenzellen von Gehirn und Rückenmark, welche die eintreffenden Impulse hemmen oder verstärken und damit die Wahrnehmung beeinflussen.

Der Schmerz und seine Funktion

So unangenehm sie sich auch anfühlen: Schmerzen erfüllen eine sehr wichtige Funktion im menschlichen Körper. Sie sind ein Alarmsignal dafür, dass im Körper etwas nicht stimmt. Denn normalerweise schmerzt es, wenn ein Schaden besteht oder dem Körper Schaden droht – durch äußere Einflüsse wie Verletzungen oder Erkrankungen.

Diese Schutzfunktion bewahrt uns also vor körperlichen Schäden oder macht auf bestehende aufmerksam. Somit können wir darauf reagieren, indem wir die Gefahr wahrnehmen und Schlimmeres verhindern beziehungsweise für Linderung sorgen:

  • Wer mit der Hand versehentlich die heiße Herdplatte berührt, zieht sie aufgrund des Schmerzsignals schnell weg und kühlt sie anschließend.
  • Wer sich eine schmerzende Wunde zugezogen hat, wird sie reinigen und versorgen – sprich die Heilung fördern und verhindern, dass sich die Stelle entzündet.
  • Wer ein verletztes Bein hat, belastet es automatisch weniger oder gar nicht, um den Zustand nicht noch weiter zu verschlimmern.

Unter Umständen kann das Schmerzempfinden sogar lebensrettend sein. Etwa, weil es den Körper vor gefährlichen Verletzungen bewahrt oder weil es auf ernstzunehmende Krankheiten hindeutet, die schnellstmöglich behandelt werden müssen. Beispielsweise macht sich ein Herzinfarkt oft durch einen stechenden Schmerz in der Brust bemerkbar.

Wie wichtig diese Signalfunktion des Körpers ist, wird oft erst dann klar, wenn sie fehlt: Menschen, die wegen Nervenschädigungen oder anderen Ursachen keine Schmerzen empfinden, ziehen sich viel häufiger Verletzungen zu als gesunde Menschen. Noch dazu heilen diese schlechter, weil die Betroffenen die geschädigten Stellen nicht ausreichend schonen. Außerdem werden Erkrankungen oft erst spät erkannt, was die Behandlung erschwert.

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Wie Schmerzen entstehen

Schmerzen können verschiedene Auslöser haben:

  • Äußere Faktoren wie Verletzungen, Druck, Kälte oder Hitze
  • Innere Faktoren wie Entzündungen oder Störungen des Nervensystems

Außerdem können seelische Belastungen körperliche Schmerzen verursachen – sogenannte psychosomatische Schmerzen.

Diese Auslöser beziehungsweise Schmerzreize werden von den sogenannten Schmerzrezeptoren aufgenommen, die sich in den Nervenfasern und damit fast überall im Körper befinden. Diese Rezeptoren funktionieren wie Messfühler: Sie registrieren den Schmerzreiz und leiten ihn weiter zum Rückenmark.

Dort findet die Verarbeitung der Informationen und schließlich die Weiterleitung an das Gehirn statt. Im Gehirn wird der Reiz ausgewertet und als bewusster Schmerz wahrgenommen. All dies geschieht im Bruchteil einer Sekunde.

An den Körperstellen, an denen sich besonders viele Schmerzrezeptoren befinden, sind wir entsprechend verstärkt schmerzempfindlich. Das gilt vor allem für unsere Haut. Als Schutzhülle des Körpers reagiert sie stark auf äußere Einflüsse. Dagegen besitzt das Gehirn keine Schmerzrezeptoren und ist deshalb schmerzunempfindlich.

Die häufigsten Schmerzzustände

Viele Menschen in Deutschland leiden unter oft auftretenden oder gar chronischen Schmerzen. Die häufigsten Schmerzzustände sind

  • Rückenschmerzen,
  • Muskelschmerzen,
  • Kopfschmerzen,
  • Gelenkschmerzen,
  • Nervenschmerzen und
  • Tumorschmerzen.

Doch wodurch entstehend diese Schmerzen? Was sind ihre Ursachen und Auslöser?

Rückenschmerzen

Schmerzen im Rücken sind in Deutschland ein regelrechtes Volksleiden: Über 80 Prozent der deutschen Bevölkerung haben mindestens einmal im Leben Rückenschmerzen. Schon Kinder und Jugendliche sind davon betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit von Rückenbeschwerden deutlich an, vor allem in Bezug auf chronische Schmerzen.

Die Hauptursachen für Rückenschmerzen sind

  • körperliche Fehlstellungen,
  • Haltungsschäden,
  • Erkrankungen der Bandscheiben,
  • Bewegungsmangel,
  • eine über Stunden hinweg falsche und einseitige Sitzpositionen sowie
  • eine fehlende Tiefenmuskulatur.

Sie verursachen unangenehme Beschwerden, die in der Regel auch unbehandelt wieder verschwinden. Allerdings kommen Rückenschmerzen oftmals regelmäßig wieder. Vor allem dann, wenn die Rückenmuskulatur zu schwach ausgeprägt ist und keine Entlastung für die Wirbelsäule bieten kann. Das ist eine gängige Folge des täglichen langen Sitzens am Schreibtisch und/oder im Auto.

Auch Fehlhaltungen und über längere Zeit starre, einseitige Sitzpositionen sind ein klassischer Auslöser: Sie verursachen Verspannungen, die sich wiederum als Schmerzen bemerkbar machen – und die können vom Nacken bis in die Lendenwirbel reichen, selbst wenn die eigentliche Fehlhaltung woanders stattfindet.

Noch dazu kann eine innere Anspannung durch Ängste, Überforderung, Stress oder Frust zu einer körperlich spürbaren Anspannung in Form von Verspannungen führen und damit zu Rückenschmerzen führen. 

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Muskelschmerzen

Muskelschmerzen können eine Folge dauernder Anspannung oder Überbelastung sein. Beides geht mit einem Sauerstoffmangel und der Ausschüttung von Entzündungsstoffen in der betroffenen Muskelpartie einher. Dadurch wird der Muskel empfindlicher.

Weitere mögliche Ursachen sind

  • eine Erkrankung des Stoffwechsels,
  • die Einnahme bestimmter Medikamente,
  • übermäßiger Alkoholkonsum,
  • Autoimmunerkrankungen oder
  • Entzündungen.

Es kann dabei zu tastbaren, schmerzhaften Verhärtungen kommen. Oder aber es handelt sich um übertragene Schmerzen in benachbarten Muskelregionen. In dem Fall treten die Muskelschmerzen nicht dort auf, wo sie eigentlich entstehen. Bei einer besonders schweren Form, der Fibromyalgie, sind mehrere Körperregionen gleichzeitig von Muskelschmerzen betroffen.

Kopfschmerzen

Ebenfalls weit unter der deutschen Bevölkerung verbreitet sind Kopfschmerzen. Etwa jeder vierte Erwachsene leidet in seinem Leben irgendwann einmal unter Kopfschmerzen.

Die konkreten Beschwerden, Auslöser und die Intensität fallen allerdings äußerst unterschiedlich aus, denn es handelt sich um einen sehr komplexen Schmerzzustand. Immerhin unterscheidet die Medizin zwischen knapp 200 verschiedenen Arten von Kopfschmerzen. Die drei Arten, die am häufigsten vorkommen, sind

  • Cluster-Kopfschmerzen,
  • Migräne und
  • Spannungskopfschmerzen.

Je nach Art, können die Kopfschmerzen den gesamten Kopf betreffen oder nur einzelne Regionen wie Stirn, Schläfe oder Hinterkopf. Kopfschmerzen können außerdem die unterschiedlichsten Ursachen haben. Einen spezifischen Auslöser gibt es daher nicht.

Mögliche Ursachen sind:

  • Stress,
  • Schlafmangel,
  • gesundheitliche Ursachen (etwa Entzündungen, Infektionen, Bluthochdruck, Blutarmut oder Mangelernährung),
  • die Einnahme bestimmter Medikamente,
  • Flüssigkeitsmangel,
  • eine nicht oder nicht ausreichend korrigierte Sehschwäche sowie
  • umweltbedingte Faktoren wie Flackerlicht, Alkohol, Nikotin und der Aufenthalt in großen Höhen oder in schlecht belüfteten Räumen.
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Gelenkschmerzen

Schmerzen in den Gelenken gehören in Deutschland zu den häufigsten Erkrankungen, die Einschränkungen im Alltag und damit eine Verringerung der Lebensqualität bewirken. Einer Untersuchung des Robert-Koch-Instituts zufolge leidet mehr als jeder zweite Deutsche im Laufe eines Jahres an Schmerzen in mindestens einem Gelenk. Besonders stark davon betroffen sind ältere Menschen.

Prinzipiell können alle Gelenke Schmerzen verursachen. Am häufigsten sind es aber

  • Knie,
  • Schulter,
  • Hüfte,
  • Fußgelenke,
  • Handgelenke,
  • Ellenbogen und
  • Finger.

Mögliche Auslöser für Gelenkschmerzen sind unter anderem

  • Arthrose,
  • Rheuma-Erkrankungen wie eine rheumatoide Arthritis,
  • Gicht,
  • Morbus Bechterew,
  • Borreliose,
  • eine Schleimbeutelentzündung oder
  • Diabetes.

Demnach können Gelenkschmerzen durch eine Vielzahl an Krankheiten entstehen. Am häufigsten steckt dahinter eine Entzündung des Gelenks.

Eine weitere häufige Ursache ist Bewegungsmangel: Werden die Gelenke über lange Zeit zu wenig bewegt, kann die Gelenksflüssigkeit nicht mehr ausreichend im Gelenkspalt zirkulieren und den Knorpel versorgen. Zudem verkürzen sich die umgebenden Bänder und Muskeln, was die Schmerzen begünstigen kann.

Die Beschwerden können auch als Nebenwirkung von Medikamenten auftreten, beispielsweise bei der Einnahme von Tamoxifen oder Fluorchinolonen. 

Je nachdem, welcher Bereich beziehungsweise welches Gelenk einer Gliedmaße betroffen ist, lässt sich auf eine bestimmte Ursache schließen. So schmerzt bei einer Gicht anfangs üblicherweise das Grundgelen k des großen Zehs, während bei der rheumatoiden Arthritis eher die Grund- und Mittelgelenke der Finger schmerzhaft verändert sind.

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Nervenschmerzen

Neuropathische Schmerzen oder auch Nervenschmerzen entstehen durch eine Schädigung, Quetschung, Entzündung oder Erkrankung sensorischer Nervenstrukturen (Gefühlsnerven). Hier sind die Nervenfasern also nicht nur der Überträger, sondern auch der Auslöser der Schmerzen.

Typische Symptome sind anfallsartige, einschießende, starke Schmerzen, die oft als kribbeln, brennend oder stechend beschrieben werden. Oft besteht eine verstärkte Empfindlichkeit für schmerzauslösende Reize. Außerdem kann es zu Missempfindungen (beispielsweise Kribbeln) oder Taubheit kommen. Fehlfunktionen der von den betroffenen Nerven versorgten Muskeln können ebenfalls auftreten – von Schwäche bis hin zu Lähmungen. Zu welchen Symptomen es im Einzelfall kommt, hängt immer von der Ursache ab.

Als Ursachen für Nervenschmerzen kommen unter anderem folgende infrage:

  • Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose oder Diabetes,
  • Erkrankungen des Bewegungsapparats (etwa Rückenmarkverletzung, Entzündungen oder Abszesse),
  • Quetschungen der Nervenstränge im Rücken durch die Bandscheiben oder eine Fehlstellung der Wirbelkörper,
  • Verletzungen,
  • Entzündung der Nerven durch Gürtelrose und
  • Alkoholmissbrauch.

Bei der Suche nach der Ursache muss also immer unterschieden werden, ob sie Folge einer Erkrankung des Bewegungsapparats oder eine eigenständige Erkrankung sind.

Tumorschmerzen

Bei Tumorschmerzen handelt es sich um einen Schmerzzustand, der durch eine Krebserkrankung ausgelöst wird. Diese Krankheit tritt recht häufig auf: Jedes Jahr erkranken mehrere hunderttausend Menschen in Deutschland an Krebs. Allein im Jahr 2017 waren es rund 490.000.

Tumorschmerzen können Krebspatienten auf drei Arten betreffen:

  • Durch den Tumor selbst,
  • als Folge seiner Ausbreitung im Körper, weil er auf benachbarte Organe, Blutgefäße und Nerven drückt, oder
  • durch Nachwirkungen der Krebstherapie.

Was tun gegen die Schmerzen?

Unabhängig davon, wie stark sie ausfallen und wie häufig sie auftreten: Schmerzen sind immer unangenehm. Umso wichtiger ist es für Betroffene, die Schmerzen durch entsprechende Maßnahmen loszuwerden oder sie zumindest auf ein erträgliches Level zu bringen. Gerade bei chronischen Schmerzen oder häufigen Beschwerden ist das das Ziel.

Was grundsätzlich hilft

Ganz allgemein können Schmerzen auf zwei verschiedene Arten behandelt werden: Zum einen kann die Behandlung als Kausaltherapie ausgerichtet sein und auf die Beseitigung des Schmerzauslösers abzielen. Darunter fällt eine Vielzahl an therapeutischen Maßnahmen. Etwa eine chirurgische Versorgung von Verletzungen oder die Ruhigstellung eines Knochenbruchs.

Zum anderen gibt es die symptomatische Therapie. Sie beschreibt alle weiteren Maßnahmen zur Beseitigung oder Linderung der Schmerzen:

  • medikamentöse Therapie mit Schmerzmitteln (Analgetika), entzündungshemmenden Medikamenten, krampflösenden Arzneimittel (Spasmolytika), Antiepileptika, Betäubungsmitteln (Lokalanästhetika), Beruhigungsmitteln (Benzodiazepine) oder Antidepressiva
  • physikalische Therapie wie das Kühlen oder Wärmen der schmerzenden Stelle
  • Physiotherapie
  • Akupunktur
  • TENS (transkutane elektrische Nervenstimulation)
  • Psychotherapie
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Was im Einzelfall hilft

Welche dieser Behandlungsmöglichkeiten im Einzelfall helfen, kommt natürlich vor allem auf den jeweiligen Schmerzzustand an.

Rückenschmerzen: Schmerzmittel erleichtern die Beweglichkeit und die Entspannung. So lösen sich auch Fehlhaltungen leichter. Auch Entspannungstechniken sind eine gute Hilfe, um innere Anspannung gezielt zu lösen. Ebenso lockern Massagen und Bäder bestehende Verspannungen.

Doch besonders wichtig ist regelmäßige Bewegung, um die Rückenmuskulatur zu stärken und das Aufkommen von Schmerzen zumindest deutlich seltener werden zu lassen. Das gelingt auch mit Hilfe gezielter Übungen.

Muskelschmerzen: Ist eine Erkrankung für die Schmerzen verantwortlich, wird diese behandelt. Wärmeanwendungen und Massagen können die Durchblutung verbessern und die Muskelverspannungen lösen. Ansonsten wird ein Schmerzmittel verabreicht. Darüber hinaus kommt es darauf an, ob die Muskelschmerzen akut oder chronisch sind.

Kopfschmerzen: Je nach Ursache, kommen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten infrage:

  • Schmerzmittel,
  • die Inhalation von reinem Sauerstoff,
  • Stirn und Schläfen kühlen,
  • Sport,
  • Entspannungsübungen,
  • Massagen,
  • Akupunktur,
  • transkutane Elektrische Nervenstimulation (TENS),
  • Chirotherapie und
  • Psychotherapie.

Gelenkschmerzen: Die unterschiedlichen Ursachen von Gelenkschmerzen bedingen eine sehr breite Palette an Behandlungsmöglichkeiten. Sie reichen von Physiotherapie und Akupunktur über medikamentöse Entzündungshemmer bis hin zu operativen Eingriffen, bei denen ein künstliches Gelenk eingesetzt wird.

Vor allem bei leichten Gelenkschmerzen können außerdem Hausmittel wie Kohl-Wickel helfen. Zudem kann die Ernährung die Symptome beeinflussen und sie verbessern. Insbesondere sollte der Alkoholkonsum eingeschränkt werden, weil er einen Gicht-Anfall auslösen kann.

Bei Arthrose kann Bewegung helfen, die Beschwerden zu lindern, weil wieder mehr Gelenkflüssigkeit produziert wird. Darüber hinaus schützt ein gut trainierter Muskelapparat die Gelenke vor Über- und Fehlbelastung. Gelenkschonenden Sportarten sind hierfür ideal.

Nervenschmerzen: Auch bei der Behandlung von Nervenschmerzen gibt es mehrere Therapie-Möglichkeiten, die oft kombiniert angewendet werden. Dazu gehören

  • Medikamente,
  • Akupunktur,
  • Physiotherapie,
  • Psychotherapie,
  • Entspannungsverfahren und
  • die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS).

Zur medikamentösen Behandlung der Schmerzen werden Antidepressiva, Antiepileptika und schmerzlindernde Wirkstoffe eingesetzt, bei Bedarf auch Opioide.

Tumorschmerzen: Am schnellsten und wirksamsten helfen Medikamente wie Beruhigungs- oder Schmerzmittel gegen Tumorschmerzen. Dabei ist es wichtig, das Therapieschema und die vorgesehenen Zeitabstände bei der Einnahme genau zu befolgen, um eine kontinuierliche Unterdrückung der Schmerzen zu gewährleisten.

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Vorbeugende Maßnahmen

Noch besser ist es natürlich, wenn es erst gar nicht zu (dauerhaften) Schmerzen kommt. Vorbeugenden Maßnahmen können dabei helfen.

Die wirksamste Möglichkeit, Rückenschmerzen vorzubeugen, ist regelmäßige Bewegung. Optimal sind Kräftigungs- und Stabilisierungsübungen für die Rumpfmuskulatur. Wer viel Zeit im Sitzen verbringt, sollte auf wechselnde Sitzpositionen und eine gesunde Haltung achten.

Muskelschmerzen lassen sich mit Bewegung, regelmäßiger Entspannung, Magnesium sowie dem Aufwärmen und Dehnen vor dem Sport verhindern.

Um Kopfschmerzen zu vermeiden, können diese Maßnahmen helfen:

  • Regelmäßige Bewegung,
  • sich viel an der frischen Luft aufhalten,
  • ausreichend und regelmäßig schlafen,
  • ausgewogen und regelmäßig essen,
  • viel Wasser trinken,
  • nicht rauchen,
  • dem Körper ausreichend Ruhe und Entspannung gönnen sowie
  • andere bekannte Auslöser meiden.

Gelenkschmerzen zu verhindern, gelingt mit regelmäßiger Bewegung, dem Vorbeugen von Verletzungen und Übergewicht und einem höchstens mäßigen Konsum von Nikotin und Alkohol. Fehlstellungen sollten frühzeitig korrigiert werden. Ähnliches gilt für Nervenschmerzen.

Gut zu wissen:
Ein aktiver Lebensstil und eine gesunde Ernährungsweise
können einige Schmerzzustände verhindern.

Wer sich richtig ernährt und bestimmte Lebensmittel in ausreichender Menge konsumiert, kann das Krebsrisiko merklich verringern und damit Tumorschmerzen vorbeugen.

Spezialfall Phantomschmerz

Eine besondere Form von Schmerzen sind die sogenannten Phantomschmerzen. Denn sie entstehen an einer Körperstelle, die es eigentlich nicht mehr gibt.

Daher treten Phantomschmerzen für gewöhnlich nach Amputationen von Gliedmaßen auf: Betroffene spüren dann Schmerzen in einem Körperteil, etwa einem Bein oder einer Hand, das ihnen zuvor abgenommen wurde.

Doch wie kann es sein, dass ein Körperteil schmerzt, das nicht mehr da ist?

So entstehen Phantomschmerzen

Phantomschmerzen gehen auf Veränderungen im Gehirn zurück. Denn im Gehirn werden Schmerzen bewusst verarbeitet. Der als somatosensorischer Cortex bezeichnete Bereich verfügt über eine Art innere Karte, auf der alle Körperregionen und ihre Empfindungsbotschaften verzeichnet sind. Auch das amputierte Körperteil ist weiterhin darauf abgebildet, von dort werden aber keine Nervenimpulse mehr an das Gehirn gesendet.

Wie genau es zu den Schmerzempfindungen im Phantomglied kommt, darüber ist sich die Wissenschaft noch nicht ganz einig: Eine Theorie besagt, dass es nach der Amputation zu einer Umorganisation im Gehirn kommt, bei der die Areale, die zuvor für das amputierte Körperteil zuständig waren, jetzt Impulse aus Nachbarregionen erhalten. Im Gehirn wird ein solcher Impuls dann möglicherweise als Schmerz fehlinterpretiert.

Eine andere Theorie geht davon aus, dass es nicht zu einer Umorganisation der inneren Landkarte kommt und das fehlende Körperteil weiterhin gleich stark darauf repräsentiert ist.

Das können Betroffene tun

Entsprechend der verschiedenen Erklärungsansätze für Phantomschmerzen gibt es unterschiedliche Behandlungsmethoden, um die Beschwerden zu lindern.

  • Behandlung mit Medikamenten: Vor allem mit Antidepressiva, Opioiden und Präparaten, welche die Erregbarkeit des Gehirns verändern.
  • Myoelektrische Prothese: Die Prothese aktiviert die Hirnregion, welche durch die Amputation verändert wurde. Das Gehirn erhält dadurch Reize wie vor dem Eingriff und die Umbauprozesse werden rückgängig gemacht.
  • Sensorisches Wahrnehmungstraining: Bei dieser Methode erfolgt eine Kombination aus der Stimulation des Stumpfes mit der bewussten Wahrnehmung der Reize. Das wirkt sich positiv auf die Umbauprozesse im Gehirn und die Schmerzen aus.
  • Spiegel-Training: Eine weitere Therapie-Möglichkeit ist das Spiegel-Training. Wurde etwa eine Hand amputiert, bewegen die Betroffenen die noch vorhandene Hand so vor einem Spiegel, dass die Reflexion dem Gehirn vorgaukelt, die andere Hand wäre ebenfalls noch da. Dadurch verringert sich der Phantomschmerz.
  • Visualisierungen: Ähnliche Erfolge lassen sich mit Übungen erzielen, bei denen es darum geht, sich vorzustellen, die fehlenden Gliedmaße zu bewegen.

Welche der Therapiemaßnahmen sinnvoll ist, muss immer im Einzelfall entschieden werden.

Fazit

Das Schmerzempfinden unseres Körpers hat Vor- und Nachteile: Es erfüllt zum einen eine wichtige körperliche Funktion, zum anderen ist es für viele Menschen tagtäglich eine enorme Belastung.

Daher ist es wichtig zu wissen, was es mit dem unangenehmen Gefühl auf sich hat, welche Ursachen hinter den Schmerzen stecken und wie man dagegen angehen kann.