«Erfindergeist ist da» - Messe zeigt 600 Innovationen
Eine gute Idee reicht allein nicht. Auch die Bürokratie ist für freie Erfinderinnen und Erfinder in Deutschland eine Herausforderung. Was treibt sie an?
Nürnberg (dpa) - Ein Getränkeschutz gegen K.o.-Tropfen, Einschlafhilfe für Babys im Kinderwagen oder ein Notfallstromkoffer - Innovationen wie diese sind ab Samstag auf der Erfindermesse «iENA» in Nürnberg zu sehen. 600 Erfindungen aus rund 20 Ländern werden dort nach Angaben des Veranstalters zum ersten Mal der Öffentlichkeit gezeigt.
Für viele Erfinder sei es eine einmalige Chance - auch um Kontakte zu möglichen Forschungspartnern zu knüpfen und ihre Erfindung an Unternehmen zu verkaufen, erläutert «iENA»-Geschäftsführer Henning Könicke. Vor allem die freien Erfinderinnen und Erfinder haben es ihm zufolge in Deutschland nicht leicht. «Heute reicht es nicht mehr, eine gute Idee zu haben.» Eine große Herausforderung sei die Bürokratie etwa für die Patentanmeldung oder die Vermarktung.
Um eine Erfindung schützen zu lassen und zu vermarkten, brauche es ein gewisses Know-how, bestätigte Til Huber vom Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA). Das zeige sich auch bei der Zahl der angemeldeten Patente: Etwa 95 Prozent stammten von großen Unternehmen und Forschungseinrichtungen, nur etwa 5 Prozent von freien Erfinderinnen und Erfindern.
Patentanmeldungen fast wieder auf Vor-Corona-Niveau
Seit dem Einbruch während der Corona-Krise sind dem DPMA zufolge die Anmeldezahlen bei Patenten, Gebrauchsmustern und Marken im laufenden Jahr das vierte Jahr in Folge gestiegen. Genaue Zahlen für 2026 kann das Amt noch nicht nennen. Dieses Jahr könnte nach Angaben von Huber aber beinahe wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht werden.
«Der Erfindergeist in Deutschland ist da», sagte Huber. Allerdings habe Deutschland das Problem, dass sich dieser vom klassischen Maschinen- und Automobilbau hin zu Digitaltechnologien und Elektromobilität verlagere. «Und diese Transformation fällt uns in Deutschland ein bisschen schwerer als in anderen Ländern.»
Nachhaltigkeit, KI, neue Baustoffe und Energiegewinnung - damit beschäftigen sich viele Erfindungen auf der «iENA». Diese sei ein Spiegelbild der Themen, die Wirtschaft und Gesellschaft beschäftigten, sagte Henning Könicke. Doch nicht immer sind große Erfindungen dabei, die die Welt grundlegend verändern. Auch Alltagshelfer haben innovatives Potenzial, wie Schwimmflügel oder goldene Rettungsdecken zeigen, die damals erstmals auf der Messe zu sehen waren.
So eine Innovation hofft Markus Duelli aus Ilmenau in Thüringen ab dem kommenden Jahr auf den Markt bringen zu können. Mit seiner Familie hat er einen Schutz vor K.o.-Tropfen für Gläser entwickelt. Diese lassen sich mit einem Deckel verschließen, der sich nur mit einem in einem Ring verborgenen NFC-Chip öffnen lässt.
Seine Familie habe sehr viel Geld in die Entwicklung des Produkts gesteckt, erzählt er. Ob sie irgendwann davon leben können, lasse sich schwer abschätzen. «Für uns ist wichtig, dass es den Schutz gibt und meine Kinder wieder unbeschwert feiern gehen können.»
Ähnlich sieht es Christof Sommerauer, der «Sleep-Ride» entwickelt hat. Dabei handelt es sich um Überzieher für die Kinderwagenräder, die Babys auch auf glattem Asphalt in den Schlaf schaukeln sollen. Er habe viel Zeit investiert und betreibe das bisher nur als Nebenjob. «Wann ich davon leben kann, das wird der Markt entscheiden. Und bis dahin würde ich mich auf jeden Fall freuen, wenn ich einigen Eltern und Kindern helfen kann.»
Einen anderen Weg geht das Start-up Liquid2Energy mit einem Notfallkoffer, der in Krisen Energie liefern soll: Die Zellen lassen sich einfach mit Wasser aktivieren. Die Idee stamme von einem griechischen Erfinder, der diese nicht hat patentieren lassen, erläutert Mitgründer René Fischer. Die junge Firma überführt diese nun nach Deutschland. In Pilotprojekten sollen zunächst Rettungsdienste und Katastrophenschutz den Koffer testen. Später sollen Modelle für den Hausgebrauch folgen.