Jahrelange Schwarzarbeit: Hohe Strafen für Fußballverein
Ein Regionalligaverein bezahlt Spieler und Trainer über Jahre hinweg offiziell nur als Minijobber - heimlich aber bekommen sie bar noch weitere Prämien. Das fliegt auf - nun gibt es Strafen.
Aubstadt (dpa/lby) - Wegen jahrelanger Schwarzgeld-Verstöße sind Verantwortliche des bayerischen Fußball-Regionalligisten TSV Aubstadt zu empfindlichen Strafen verurteilt worden. Wie die Staatsanwaltschaft Würzburg mitteilte, verhängte das Amtsgericht Würzburg jeweils einjährige Haftstrafen, die für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden, sowie Geldstrafen zwischen 90 und 300 Tagessätze. Die Verurteilungen sind rechtskräftig.
Der Verein bestätigte die Mitteilung. «Der TSV Aubstadt bedauert die festgestellten Versäumnisse ausdrücklich», hieß es in einer Nachricht der Unterfranken. «Der Verein hat die Vorgänge umfassend aufgearbeitet und daraus klare organisatorische und strukturelle Konsequenzen gezogen.»
Razzia in mehr als 60 Wohn- und Geschäftsräumen
Nach Darstellung der Staatsanwaltschaft und des Hauptzollamts Schweinfurt hatte der Verein von 2018 bis 2023 ein «illegales Entlohnungssystem» für die erste Männermannschaft betrieben. Die Spieler waren dabei nur als Minijobber gemeldet, erhielten aber erhebliche Summen - Handgelder sowie Prämien etwa für Siege oder Einsätze - bar und nicht angemeldet auf die Hand.
Bei einer Razzia im Mai 2023 in mehr als 60 Wohn- und Geschäftsräumen stellten die Ermittler unter anderem 20 Handys und andere digitale Geräte sicher. Dadurch konnten sie rekonstruieren, wie die Gelder geflossen sind. Den Sozialkassen entstand dadurch laut Staatsanwaltschaft ein Schaden rund 1,13 Millionen Euro. Steuern in sechsstelliger Höhe wurden zudem vorenthalten.
Sozialbeiträge und Steuern komplett nachgezahlt
Die Ermittler und der Verein unterstrichen, dass die nun Verurteilten seit der Razzia kooperativ und geständig waren. Sowohl die vorenthaltenen Sozialversicherungsbeiträge als auch die Steuern seien nachgezahlt worden. «Die aus dem Verfahren resultierenden finanziellen Verpflichtungen wurden vollständig erfüllt», hieß es vom Club aus dem Landkreis Rhön-Grabfeld.
Darüber hinaus habe sich der Verein als Konsequenz auf die Vorfälle neu aufgestellt und eine GmbH gegründet. Diese verantworte den semiprofessionellen Fußballbereich und kümmere sich etwa um die Regionalligamannschaft, Vermarktung, Sponsoring, Ticketing und Merchandising.