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Sylvensteinspeicher - weniger als ein Meter zum Dürretief

Wie wenig es im Süden geregnet hat, kann man derzeit auch am Spiegel des für die Isar wichtigen Speichersees ablesen, der in Richtung alter Tiefstände unterwegs ist.

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Niedrigwasser am Sylvensteinstausee Peter Kneffel/dpa

Lenggries (dpa/lby) - Wer wissen will, wie ungewöhnlich die aktuelle Dürre ist, kann das am Sylvensteinspeicher ablesen. Der Stausee im Süden des Isarwinkels leert sich von Tag zu Tag ein Stück mehr, während er die Isar mit zusätzlichem Wasser versorgt. Seit Ende Februar ist sein Pegel um rund elf Meter gesunken. Inzwischen nähert er sich dem Dürretief aus dem Jahr 2003 - dem einzigen, das mit der aktuellen Situation wirklich vergleichbar ist, wie Tobias Lang vom Wasserwirtschaftsamt Weilheim erklärt. Ein absoluter Tiefststand ist allerdings beides nicht - doch dazu später mehr.

Schon der Blick auf den See zeigt drastisch, wie viel Wasser inzwischen fehlt. Boote liegen auf dem Trockenen, an den Rändern liegen große Flächen des Seebodens in der Sonne und reißen auf. 

Weniger als 90 Zentimeter

Am Freitagmittag lag die Wasseroberfläche des Sylvensteinspeichers 743,20 Meter über dem Meeresspiegel. Damit fehlen nicht einmal mehr 90 Zentimeter zum Tief aus dem September 2003, das bei 742,33 Metern lag. Betrachtet man die Zahlen der vergangenen Wochen, würde der See so weit in etwa einer Woche ohne Niederschläge fallen. Für die nächsten Tage ist zwar Regen vorhergesagt, wie nachhaltig er den Pegel heben kann, ist aber längst nicht ausgemacht. Auch kräftiger Regen Anfang August brachte dem Speicher nur eine kurzzeitige Entlastung, die inzwischen längst wieder aufgebraucht ist.

Dass der Pegelstand des Sylvensteinspeichers stark schwankt, ist normal. Schließlich hat der künstlich angelegte See zwei Aufgaben: Hochwasser abfangen und Trockenheit ausgleichen. Und auch wenn er in den vergangenen Jahrzehnten eher für seinen Hochwasserschutz bekannt wurde - ohne ihn hätte es 2005 in München schwere Schäden gegeben - stand bei seinem Bau der Speicheraspekt im Vordergrund. 

«Die gegenwärtige Situation ist demnach genau das, wofür der Speicher errichtet wurde», erklärt Lang. Rund 35 Millionen Kubikmeter Wasser hat der Speicher der Isar dieses Jahr bisher als Zuschuss gegeben. Das liegt sogar ein Stück über dem Wert des ganzen Sommers 2003 als es 33,6 Millionen Kubikmeter waren. Und solange es nicht regnet, werden es jede Stunde mehrere tausend Kubikmeter mehr.

Änderungen machen Vergleiche schwierig

Die Pegelstände am Sylvenstein zu bewerten, ist nicht banal. Das beginnt damit, dass sich ab 1990 die Zuflusssituation durch die sogenannte Teilrückleitung in Krün geändert hat. Werte aus der Zeit davor mit heute zu vergleichen sei nicht sinnvoll, sagt Lang daher. Zudem wurde der Speicher zwischenzeitlich umgebaut: Erst seit einer Erhöhung der Dammkrone Ende der 90er-Jahre kann er so viel Wasser aufnehmen wie jetzt. Und nach dem Hochwasser 2005 und dem Trockensommer 2003 wurden auch die Regeln zu Wasserspeicherung und Abgabe geändert: Um mehr Raum für Hochwasser zu haben, liegt das Speicherziel für den Sommer jetzt zwei Meter tiefer und wenn das Wasser knapp wird, wird die Abgabe früher gedrosselt als früher.

Aktuell hat der Sylvenstein noch etwa ein Drittel des Speichervolumens, das für den Ausgleich von Niedrigwasser vorgesehen ist. Laut Lang reicht das ohne Niederschläge noch für rund sechs Wochen - auch wegen der bereits angesprochenen Drosselung.

Tiefer als jetzt und 2003 war der Pegel des Speichersees trotzdem immer wieder: In den letzten Jahrzehnten aber nur, wenn er mit Absicht gesenkt wurde, beispielsweise für Baumaßnahmen. 

Blickt man noch weiter zurück, gab es allerdings eine Phase in der die Isar deutlich trockener war: Von Mitte Oktober 1962 bis Anfang April 1963 lag der Seespiegel fast durchgehend am untersten Ende der Spanne. Der Grund dafür war aber praktisch das Gegenteil des aktuellen: ein besonders langer und kalter Winter.

Und der Blick zurück zeigt auch, wie schnell sich die Lage wieder ändern kann: Während der Pegel bei Trockenheit nur langsam fällt, kann es bei kräftigen Regenfällen durchaus binnen eines Tages um einen Meter oder mehr nach oben gehen.

© dpa-infocom, dpa:260815-930-532906/1