Zum Hauptinhalt springen

«Street Fighter»: Kultvideospiel als bunte Actionkomödie

Zum dritten Mal kommt «Street Fighter» als Realfilm ins Kino. Reichen Retro-Look, Spielhallen-Sound und Selbstironie, um dem Kultspiel auf der großen Leinwand gerecht zu werden?

ANTENNE BAYERN ANTENNE BAYERN GmbH & Co. KG ANTENNE BAYERN Logo
«Street Fighter»: Kultvideospiel als bunte Actionkomödie Handout / Berlin/Paramount Pictures/dpa

London (dpa) - «Round one. Fight!» In den frühen 90ern war «Street Fighter» aus Spielhallen und Kinderzimmern nicht wegzudenken. 1987 veröffentlichte der japanische Hersteller Capcom das Prügelspiel zunächst auf Arcade-Automaten, 1991 folgte mit «Street Fighter II» der weltweite Durchbruch - erst in den Spielhallen, später auch auf Spielekonsolen. Bis heute gibt es unzählige Neuauflagen und Fortsetzungen. Nun kommt das Kultspiel als Realfilm ins Kino (Start: 15. Oktober) - nicht zum ersten Mal.

1994, auf dem Höhepunkt des Hypes, wurde «Street Fighter» mit Jean-Claude Van Damme, Kylie Minogue und Raul Julia erstmals verfilmt. Der Film fiel bei Kritikern und Fans durch, spielte aber das Dreifache seiner Kosten ein. Die zweite Realverfilmung, «Street Fighter: The Legend of Chun-Li», floppte 2009. Jetzt wagt Regisseur Kitao Sakurai («Bad Trip») den nächsten Versuch.

Die Essenz des Spiels

Für Callina Liang, die Chun-Li spielt, kommt es bei einer Videospiel-Verfilmung vor allem auf eines an: «Als leidenschaftliche Gamerin finde ich, sie muss die Essenz des Spiels einfangen», sagt Liang im Interview der Deutschen Presse-Agentur. «Es ist retro, überdreht und witzig. Es ist völlig irre. Alle Figuren wirken überlebensgroß und irgendwie verrückt.»

Um diese wilde Mischung von extravaganten Charakteren darzustellen, wurde ein buntes Ensemble aus Schauspielern (unter anderen Jason Momoa), Comedians (Andrew Schulz, Eric André), Musikern (Rapper 50 Cent, Country-Sänger Orville Peck), Wrestlern (Cody Rhodes, Roman Reigns) und MMA-Kämpfern (Alexander Volkanovski) gecastet.

Vor Drehbeginn nahmen sich Regisseur Sakurai und seine Darsteller sechs Wochen, um die Rollen gemeinsam auszuarbeiten und bekannte Elemente des Videospiels aufzugreifen. «Ein Luxus», sagt Noah Centineo, der als Ken eine der Hauptrollen spielt, im dpa-Interview. «Wir haben alle großen Wert darauf gelegt, uns intensiv mit den Figuren zu befassen, weil das Videospiel diesen Kultstatus hat.»

Willkommen im Jahr 1993

Die Story spielt im Jahr 1993. Die einstigen Trainingspartner und Freunde Ryu (Andrew Koji) und Ken haben sich aus den Augen verloren. Da taucht die geheimnisvolle Chun-Li auf und lädt beide zum World Warrior Tournament ein, an dem die besten Kämpfer der Welt teilnehmen.

Organisator des Turniers ist der skrupellose, machtbesessene M. Bison (David Dastmalchian), der für den zukünftigen Gewinner seine ganz eigenen Pläne hat. Außerdem ist da noch der bösartige Akuma (Roman Reigns), der übernatürliche Kräfte besitzt - und mit dem Ryu und Ken noch eine Rechnung offen haben.

«Street Fighter» befasst sich nicht mit langen Erklärungen der Charaktere oder den heutzutage so populären Vorgeschichten. Es gibt nur ein paar kleine Hinweise auf die Vergangenheit und kurze Rückblicke, die originell als Zeichentrick dargestellt werden. Eine logische Erklärung für all das würde auch zu weit führen.

Erstaunlich ernst nahm allerdings Tausendsassa Dastmalchian («Oppenheimer», «Dune») seinen Bösewicht Bison. Für die Rolle recherchierte er zu Diktatoren und Sektenführern wie Idi Amin, David Koresh und Jim Jones. «Ich habe mich gefragt: Wie bringt man all diese Menschen in Uniform dazu, sich für einen in den Tod zu stürzen?», sagt er. «Man sollte verstehen können, warum all diese Leute in seinem Namen kämpfen.»

Zwischen Bonusrunde und Badehaus

Der Film amüsiert mit vielen Easter Eggs. «Wir haben gezielt nach bekannten Sprüchen, Anspielungen und ikonischen Momenten gesucht, die wir einbauen konnten», erzählt Centineo. So zerstört Ken in einem Werbespot ein Auto - wie in einer Bonusrunde von «Street Fighter II». Und Ryu kämpft mit dem Sumo-Wrestler Edmond Honda (Hirooki Goto) in einem japanischen Sentō, einem öffentlichen Badehaus, das wie im Spiel aussieht.

Kameramann Ken Seng («Deadpool») taucht das Geschehen in knallige Retro-Farben. Für Stimmung sorgen Hits aus den 90ern und die Musik von Leo Birenberg und Zach Robinson. Das Komponisten-Duo der Kampfsport-Serie «Cobra Kai» liefert einen pulsierenden Soundtrack, der musikalische Motive des Spiels aufgreift - darunter das bei Fans beliebte «Guile's Theme» der legendären japanischen Game-Komponistin Yoko Shimomura.

Eine Verfilmung mit dem Flair des Spiels

In den 90er Jahren wurden Videospiel-Verfilmungen oft ohne Gespür für die Vorlage umgesetzt. Man vertraute auf die Bekanntheit des Titels und kümmerte sich wenig um die Erwartungen der Fans. Das Ergebnis waren Kassenflops wie «Super Mario Bros.» (1993) oder «Double Dragon» (1994). Heute tragen oft Menschen die kreative Verantwortung, die selbst mit den Spielen aufgewachsen sind. Und das merkt man.

«Street Fighter» ist bunt, albern, witzig - und fängt im Gegensatz zu seinen Vorgängern das Gefühl des Videospiels ein. Die knallbunte Martial-Arts-Komödie ist wahrlich keine cineastische und schauspielerische Feinkost. Das soll sie aber auch nicht sein. Das Ergebnis ist ein selbstironischer Spaß, der nicht nur von Nostalgie lebt. Wer das Spiel nicht kennt, kann sich den Gang ins Kino allerdings getrost sparen.

© dpa-infocom, dpa:261014-930-839021/1