15.10.2020 | Technik 45% der Handys betroffen: Das bedeutet die 3G Abschaltung

Der 3G-Standard wird schon bald der Vergangenheit angehören und Platz für das Netz der Zukunft, nämlich 5G machen. So sehen es zumindest die Anbieter. Wie und wann abgeschaltet wird und was das für Folgen haben wird, seht ihr hier:

Foto: Yui Mok/PA Wire/dpa

Es ist das Thema der Stunde in der Mobilfunkindustrie und wird sich auch in großem Maße auf uns auswirken: Die Abschaltung von 3G.

Künftig möchten die Netzbetreiber schnelleres Internet mit bis zu 1GBit/s anbieten, bisher lieferte 3G nur 42Mbits/s. Deshalb bauen Anbieter wie die Telekom, Vodafone oder Teléfonica/ O2  ihre 5G-Kapazitäten aus. 

Um für den 5G-Start weitere Frequenzen frei zu machen, sollen die erste 3G-Netze schon Mitte 2021 komplett abgeschaltet werden. Warum 3G veraltet ist, wie die einzelnen Anbieter vorgehen und was das für uns bedeutet, seht ihr hier: 


Warum wird 3G abgeschaltet?

Die 3G/UTMS-Technologie kam bereits 2004 auf den Markt und versorgte die ersten Smartphones mit einer für die damalige Zeit unvorstellbaren Datengeschwindigkeit.

In der Zwischenzeit kamen dann mit LTE und 4G neue Lösungen auf, die mit der Leistungsfähigkeit der neuen Smartphones mitgingen. Das 3G/UTMS- Netz ist also schlichtweg veraltet, weil es nicht die Bandbreite liefert die unsere Handys heutzutage benötigen. 

Um einen besseren Standard zu schaffen und international konkurrenzfähig bleiben zu können, hat die Bundesnetzagenur den 3G-Rückbau und parallelen 5G-Ausbau beschlossen. Die Provider müssen sich also an die staatlichen Vorgaben halten. 

3G-Abschaltung bei der Telekom

Die Deutsche Telekom hat bereits ein konkretes Datum bekannt gegeben an dem sie ihr 3G-Netz abschalten wird, nämlich den 30. Juni 2021. Somit macht sie platz für neue Frequenzen, die sie für den Ausbau ihres 4G- und 5G-Angebotes nutzen wird. 

Regionen, die bislang nur mit 3G versorgt werden, rutschen dann auf einen 4G-Standard auf. Und auch die Handytarife werden angepasst: In vielen Angeboten ist ein LTE-Paket inklusive, wenn 3G dann abgeschaltet ist, wird es laut Telekom LTE aber in jedem Vertrag geben. 

Dirk Wössner, der deutsche Telekom-Chef sagt zur Umstellung: 

„Durch die 3G-Abschaltung nächsten Sommer können wir unser Netz weiter verbessern (...) Das freiwerdende 3G-Frequenzspektrum nutzen wir für die modernsten Technologien. Wir wollen LTE für alle und bauen jeden Tag an Deutschlands größtem 5G-Netz.“

3G-Abschaltung bei Vodafone

Auch Vodafone schaltet gemeinsam mit der Telekom am 30. Juni 2021 sein 3G-Netz ab.

Die freiwerdenden Ressourcen, werden dann in das bereits bestehende LTE-Netz integriert.

Laut Vodafone selbst macht der 3G/UTMS- Datenverkehr nur noch knapp fünf Prozent der Gesamtaulsastung ihres Mobilfunknetzes aus, weniger als drei Prozent der Kunden würden es überhaupt noch in Anspruch nehmen.

Auch diese drei Prozent sollen bei der Abschaltung aber nicht vergessen werden, deshalb bietet Vodafone allen Betroffenen an ihre Tarife kostenfrei umzustellen: Wer noch kein LTE hat bekommt Zugriff auf das 4G-Netz, wem die entsprechende SIM-Karte fehlt, wird diese kostenlos ausgetauscht. 

3G-Abschaltung bei O2

Auch O2 ist bei der Abschaltung des 3G-Netzes mit dabei. Allerdings lässt sich der Teléfonica-Konzern hier etwas mehr Zeit, ein konkretes Datum gibt es nämlich noch nicht. Von Seiten des Unternehmens heißt es man wolle

„die genutzten 3G-Frequenzen bis spätestens 2022 schrittweise für effizientere Technologien wie LTE“ 

freigeben.

Bis dahin betreibt O2 die Netztechnologien GSM, UMTS und LTE weiter, während sie ihr 5G-Netz ausbauen.

Was bedeutet die Abschaltung für uns?

Wichtig ist hier zunächst, dass einem klar ist, dass die Netze der drei Konzerne über die Namen der eigenen Marke hinausgehen: 

Mehr Anbieter betroffen als nur Telekom, Vodafone und O2

Auch wer keinen direkten Vertrag bei der Telekom, Vodafone oder O2 hat, könnte betroffen sein. Die Netze der drei großen Konzerne werden nämlich von vielen anderen Anbietern mitbenutzt. So gehören beispielsweise Congstar oder klarmobil.de zum Telekom-Netz, 1&1 und OTELO zu Vodafone oder simplytel und Blau zum O2-Netz. 

Flüssiger Übergang

Bis ein flüssiger Übergang von 3G als "Auffangnetz", wenn man kein 4G oder LTE hat, und einem reibungslos und flächendeckend funktionierendem 5G-Netz angeboten werden kann, wird es noch dauern. Wer  theoretisch LTE oder 4G tariflich zugesichert bekommen hat, gerade aber mal schlechtes Netz hat, bekommt künftig dann kein 3G mehr rein, sondern nur noch EDGE. Surfen ist damit dann gar nicht mehr möglich. Hierunter werden besonders die ländlichen und schlecht erschlossenen Regionen leiden.

3G nach wie vor weit verbreitet

Problematisch werden könnte auch die Tatsache, dass 3G  noch extrem verbreitet ist: 2018 noch nutzen mehr Menschen 3G/UTMS als LTE. Erst seit 2019 hat LTE die Überhand, allerdings mit einem Anteil gerade mal 55%. Umgekehrt bedeutet das, dass 45% also ca. 48,1 Millionen Nutzer 2019 noch auf 3G angewiesen waren.

Kosten verhältnismäßig niedrig

Ob die Umstellung von 3G auf 5G so reibungslos funktionieren wird wie es sich die Mobilfunkanbieter versprechen, wird die Zeit zeigen. Positiv bleibt aber, dass die Umkosten für uns Nutzer verhältnismäßig gering sind: Die Tarife werden weitesgehend kostenlos umgestellt und wer schon Lust auf 5G hat, bekommt kompatible Smartphones schon für unter 300€.