31.03.2022 | Verbraucherschutz Das wusstet ihr nicht: Geheime Funktion im Eingangsbereich von Discountern

Jedes Jahr verschwinden rund 100.000 Wagen von den Geländen der Discounter. Doch ein ausgeklügeltes System befindet sich in den Eingangsbereichen. Wir berichten von den geheimen Tricks der Discounter.

Foto: Matthias Balk/dpa

Seit Jahren haben Discounter mit einem unangenehmen Problem zu kämpfen: Jährlich werden Tausende Einkaufswagen geklaut. Laut Berichten werden in Deutschland jedes Jahr ca. 100.000 Wagen in Deutschland entwendet. Einige Supermärkte rüsten jetzt technisch auf, um die Wagen zu sichern. Doch bei einigen Filialen werden die Tricks schon angewendet.

Wegfahrsperre gegen Einkaufswagen-Diebstahl

 Mithilfe von Magnet- oder Funksystemen sollen Kunden daran gehindert werden, das Marktgelände mit dem Einkaufswagen verlassen zu können, da die Räder blockieren. So erfüllt der Teppich im Eingangsbereich des Discounters ALDI SÜD eine Funktion, über die sich wohl die wenigsten Leute bewusst sind. Der Teppich kann die Wegfahrsperre des Einkaufswagens entriegeln, wenn diese aktiviert ist. Der Teppich besteht nämlich nicht nur aus groben Stoff, sondern auch aus Rillen. Sobald der Kunde bei mit dem Einkaufswagen über den Belag fährt, wird eine eventuell aktive Wegfahrsperre automatisch entriegelt. Bereits seit etwa 15 Jahren gibt es eine Wegfahrsperre bei den Einkaufswägen des Discounters.  Wenn ein Einkaufswagen gesperrt ist, kann er durch einfaches Überfahren des Bodenbelags entsperrt werden. Das ist gut zu wissen, denn die gesperrten Einkaufswagen werden meist zurückgestellt. Wenn die kleinen Magnetrillen bei der Blockade nicht helfen, können Kunden auch Mitarbeiter Kasse nachfragen.

Auch Lidl setzt bereits in vereinzelten Filialen auf Systeme, um Einkaufswagen zu sichern. Ähnlich wie bei Aldi gibt es eine Sperre beim Verlassen des Geländes, die über Magnet oder Funk ausgelöst wird.

Weitere Variante zum Schutz

Eine weitere Variante zum Diebstahlschutz verhindert, dass Einkaufswagen die Filiale durch den Filialeingang verlassen. Wenn ein Kunde mit einem Einkaufswagen die Filiale in falscher Richtung verlassen will, blockieren die Räder. Auch die Entsperrung ist auf verschiedene Arten möglich. Zurück im „eingegrenzten“ Bereich, über den Teppich fahren oder manuell durch Mitarbeiter.

„Der Einsatz erfolgt nicht flächendeckend. Über die Verwendung wird individuell für die einzelnen ALDI SÜD Filialen entschieden, um sich optimal auf die gegebenen Verhältnisse vor Ort einstellen zu können“, 

so Aldi Süd als Erklärung für die verschiedenen Varianten.

Diebstahl kostet die Supermärkte jährlich Millionen

Frank Host, Leiter des Forschungsbereichs Inventurdifferenzen beim EHI Retail Institute in Köln, beobachtet die Entwicklung: 

„Die Schwundrate liegt bei gut 2 Prozent jährlich, also rund 100.000 Einkaufswagen." 

Ein Einkaufswagen kostet in der Regel zwischen 120 und 200 Euro, das sind somit rund 15 Millionen Euro Schaden, die den Handel im Jahr treffen. Denn dort müssen die Wägen reihenweise ersetzt werden. Eine Entwendung eines Einkaufswagens ist aus rechtlicher Perspektive jedoch noch Diebstahl. Dafür müsste bewiesen werden, dass der Wagen tatsächlich auch behalten werden wollte. Das ist jedoch schwer umzusetzen, sodass gestohlene Einkaufswagen nur selten zur Anzeige gebracht werden.