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Mediziner: Malaria-Fälle nahe Flughäfen werden zunehmen

Sommer, Reisen, Klimawandel: Warum Malaria auch in Deutschland häufiger auftreten könnte und auf welche Symptome Verbraucher wann achten sollten, um schnell zu handeln.

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Malaria Stephen Morrison/epa/dpa

Würzburg (dpa/lby) - Der Tropenmediziner August Stich warnt vor Panikmache nach den Malaria-Todesfällen im Umfeld des Frankfurter Flughafens – allerdings sollten die Behörden wachsam sein. Der Klimawandel, die Globalisierung und der zunehmende internationale Reiseverkehr dürften für einen Anstieg der Malaria-Fälle auch in Deutschland sorgen, wenn auch auf einem niedrigen Niveau. «Man muss die Kirche im Dorf lassen», sagt der Schwerpunktleiter für Infektiologie und Tropenmedizin am Universitätsklinikum Würzburg.

Was ist Malaria?

Malaria wird durch Parasiten (Plasmodium falciparum) verursacht, die vor allem durch Mücken übertragen werden. Reisende aus Deutschland infizieren sich meist in tropischen oder subtropischen Ländern. 

Vor allem die schwerste Form, Malaria tropica, kann tödlich verlaufen. Laut dem Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenkrankheiten ist diese Form für mehr als 95 Prozent der Malaria-Todesfälle weltweit verantwortlich. Die Variante wurde auch bei den Patienten in Frankfurt/Main diagnostiziert.

Müssen sich Anwohner von Flughäfen in Bayern Sorgen machen?

Nein, sagt Stich. «Es ist nach wie vor sehr, sehr, sehr, sehr selten.» Malaria in Deutschland zu bekommen, ohne zuvor in einem Malaria-Gebiet gewesen zu sein, sei sehr unwahrscheinlich. Dennoch sollten die Behörden das Phänomen kennen und ernsthaft zur Kenntnis nehmen, «aber es ist überhaupt kein Grund zur Panik oder zu einer Katastrophenstimmung». Verständlicherweise fühlten sich Menschen im Umfeld von Flughäfen nach den Todesfällen in Hessen nun verunsichert. 

Was ist, wenn ich mich schlecht fühle?

Malaria-Symptome sind neben Fieber unter anderem Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden. Wichtig ist, möglichst früh einen Arzt aufzusuchen. Das heißt nach Stichs Worten aber nicht, dass nun jeder vor allem im Herbst und Winter gleich an eine Malaria-Infektion denken sollte. 

In der kalten Jahreszeit überlebten Moskitos, die im Frachtraum oder im Radlager von Fliegern von Afrika mitgebracht würden, schlecht. Im Sommer allerdings sollten Erkrankte aufmerksam sein – und vor allem Ärzte auch an diese mögliche Infektion denken, wenn jemand starke Symptome habe und sich sein Zustand verschlechtere. 

Was ist das Tückische an Malaria?

«Malaria kann ich nicht durch eine körperliche Untersuchung erkennen», erklärt Stich. «Man kann es behandeln und man kann die Malaria auch komplett heilen, wenn man sie früh genug erkennt.» Und genau da liege das Problem: Wenn jemand vorher nicht in einem Malaria-Gebiet gewesen sei, liege der Verdacht auf die Erkrankung nicht nahe. «Wir müssen uns darauf vorbereiten, dass solche Ereignisse einfach immer mehr zu unserem Alltag dazugehören.»

Das Robert Koch-Institut warnt: «Eine fehlende Tropenreise bei Erkrankten kann dazu führen, dass die Diagnose erst verzögert gestellt wird. Eine verspätete Diagnosestellung erhöht das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf.»

Was sollten die Behörden tun?

Airport-Malaria ist nicht neu in Deutschland und kommt immer mal wieder vor. Daher gebe es auch in Bayern im Umfeld von Flughäfen ein Mücken-Monitoring, sagt Stich. «Das sind seltene Ereignisse, dass einem so ein Moskito ins Netz geht, aber man muss es machen, um zu sehen, ob jetzt eine Häufung auftritt.»

Bei vielen Infektionskrankheiten ist nach Stichs Worten im Zuge des Klimawandels mit einem Anstieg der Fallzahlen und einer Ausbreitung der Erreger zu rechnen – siehe Denguefieber. Das Virus wird vor allem durch die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus) und die Ägyptische Tigermücke (Aedes aegypti), auch Gelbfiebermücke genannt, übertragen.

Treten Tropenkrankheiten in Deutschland auf, sollten nach Stichs Worten unverzüglich die Gesundheitsbehörden informiert werden.

© dpa-infocom, dpa:260918-930-706274/1