Münchner Startup entwickelt Milchalternative aus Bier-Resten
Eine Pflanzenmilch-Alternative aus Überresten der Bierproduktion - dieses Konzept verfolgt ein Münchner Startup Unternehmen. Im Herbst 2026 soll das Getränk in den Handel kommen.
Ein Münchner Startup bringt im Herbst eine neue Milchalternative auf den Markt - hergestellt aus Biertreber, einem Nebenprodukt der Bierproduktion. Das Getränk namens "Tremi" soll laut Herstellerangaben rund dreimal so viel Protein und sechsmal weniger Zucker enthalten als klassische Hafermilch. Entwickelt hat es das Foodtech-Startup Circular Grain, gegründet von drei Absolventinnen der Technischen Universität München. Damit reiht sich Tremi in einen wachsenden Trend ein: Immer mehr Startups verwerten Lebensmittel-Reststoffe zu neuen Produkten.
Was ist Biertreber?
Biertreber ist ein Abfallprodukt bei der Bierherstellung. Zuerst wird Malz (gekeimtes und getrocknetes Getreide, meist Gerste) geschrotet und mit Wasser vermischt. Diese Mischung nennt man Maische. Beim Erhitzen lösen sich Zucker und andere Stoffe aus dem Malz. Die flüssigen Bestandteile werden zu Bier weiterverarbeitet.
Die festen Rückstände, die nach dem Herausfiltern der Flüssigkeit im Braukessel zurückbleiben, nennt man Biertreber. Er besteht vor allem aus den Schalen des Getreides und unlöslichen Eiweißen. Pro Liter gebrautem Bier fallen dabei etwa 200 Gramm Biertreber an.
Wie wird aus Biertreber Milch?
Biertreber ist zwar ein Reststoff der Bierherstellung, aber dennoch noch ein wertvoller Rohstoff, der reich an Proteinen und Ballaststoffen ist. Bisher wurde Biertreber meist als Tierfutter oder in Biogasanlagen verwendet, nun wird er für die Herstellung eines neuen Lebensmittels verwendet. Dahinter steckt das Münchner Foodtech-Startup Circular grain, das die drei TUM-Absolventinnen Nathalie Stellwag, Marina Hijano Moreno und Denise Ilogu aus einem gemeinsamen Studienprojekt heraus gegründet haben.
Über zwei Jahre hinweg hat das Team mehr als 250 Rezeptvarianten entwickelt und rund 1.500 Testpersonen probieren lassen. Für Entwicklung und Markteinführung sammelte Circular grain mehr als 500.000 Euro an Fördermitteln und Investorengeldern ein, unter anderem als Teilnehmer des Amazon Sustainability Accelerator, einem Förderprogramm für nachhaltigkeitsorientierte Startups.
Nachhaltigkeit durch Upcycling in der Lebensmittelbranche
Für die Umweltbilanz gilt: Weil keine zusätzlichen Anbauflächen benötigt werden, könnte "Tremi" laut Unternehmensangaben CO2 und Wasser sparen - die Gründerinnen sprechen von bis zu 90 Prozent weniger Wasserverbrauch im Vergleich zu klassischen Pflanzendrinks. Die Produktion findet zunächst am Bodensee statt, wodurch Transportwege kurz gehalten und regionale Wirtschaftskreisläufe gestärkt werden. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt von Prof. Dr. Ute Weisz und ihrem Team von der TUM School of Life Sciences.
Die neue Pflanzenmilchalternative aus Bier-Resten reiht sich ein in eine wachsende Zahl von Upcycling-Produkten aus der Lebensmittelbranche und darüber hinaus. Andere Beispiele aus Bayern und Deutschland zeigen ähnliche Ansätze mit unterschiedlichen Reststoffen, beispielsweise Proteinpulver und Getränke aus Molke, die bei der Käseproduktion anfällt, Tofu-Alternativen aus Biertreber, Bier, das aus altem Brot gebraut wird, oder Baumaterial aus Hopfenabfällen.
Wann und wo es die neue "Bier-Milch" zu kaufen gibt
Aktuell befindet sich "Tremi" noch voll im Aufbau der Produktion. Der Marktstart ist für den Herbst 2026 geplant, zunächst im Großraum München. Dort soll "Tremi" in ausgewählten Cafés, im Einzelhandel und bei Verkostungsaktionen erhältlich sein. Zu Preis und einer möglichen Ausweitung auf andere Regionen hat das Unternehmen bislang keine Angaben gemacht.