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«Everything Under The Sun» - Neues von Nickelback

Belächelt, gehasst, aber immer noch da: Nickelback trotzten jahrelang aller Häme und bringen nun ein neues Album heraus. Spurlos ging das alles aber nicht an ihnen vorbei.

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Band Nickelback Felix Hörhager/dpa

München (dpa) - Die kanadischen Rocker von Nickelback haben einiges hinter sich. Jahrelang galten sie als meistgehasste Band der Welt. Eine viel beachtete Dokumentation trägt nicht von ungefähr den Titel «Hate to Love: Nickelback». 

Unzählige Internet-Memes machten sich über die Gruppe und ihren Frontmann Chad Kroeger lustig. Das Team von US-Senator Bernie Sanders verbreitete im Vorwahlkampf um das Präsidentenamt 2016 den Slogan «Trump mag Nickelback».

«Geheuchelter Bullshit, zähneknirschend vorgetragen»

Im selben Jahr befasste sich eine finnische Doktorandin sogar wissenschaftlich mit der Frage, warum der Hass auf die Band so groß ist. Der Titel ihrer Arbeit: «Hypocritical bullshit performed through gritted teeth» (etwa: «Geheuchelter Bullshit, zähneknirschend vorgetragen»). 

Zehn Jahre später ist die Band immer noch da - und bringt nun ihr neues Album heraus: «Everything Under The Sun» erscheint an diesem Freitag (30. Oktober). Und dafür, dass den Musikern zuweilen vorgeworfen wird, alles, was sie machten, klinge gleich, ist es - zumindest streckenweise - relativ ungewöhnlich geworden. 

«Es gab Ideen, etwas psychedelisch Angehauchtes zu machen, etwas, das ein bisschen anders ist», sagt Nickelback-Bassist und Gründungsmitglied Mike Kroeger im Interview der Deutschen Presse-Agentur in München. «Wir haben uns zwar mit psychedelischen Themen befasst, aber wir haben noch nie einen Song gemacht, bei dem die Musik ein psychedelisches Feeling hatte.»

Das ist nun anders - obwohl der typische Nickelback-Sound natürlich nicht zu verleugnen ist und immer wieder durchscheint. 

Klassische Nickelback-Songs und ein paar Risiken

«Dieses Album spiegelt jede Seite der Band wider», sagt Frontmann Chad Kroeger. «Es sind Songs dabei, die so hart reinhauen wie alles, was wir sonst gemacht haben. Es sind aber auch Songs dabei, mit denen wir etwas riskieren und Songs, die uns daran erinnern, warum wir das alles zusammen machen.»

«Rattle The Cage», die Singleauskopplung, mit der das Album startet, «fühlte sich perfekt an, um die Tür aufzustoßen. Es hat die Energie, von der wir uns jede Nacht auf der Bühne ernähren.»

«Pop-Rock-Songs, Hard-Rock-Songs» - und alles dazwischen

Sein Bruder Mike nennt das, was die Band - auch auf ihrem neuen Album, dem ersten seit 2022 - produziert, «Pop-Rock-Songs, Hard-Rock-Songs, die manchmal an etwas grenzen, das nah an Heavy Metal ist - und alles dazwischen». Besonders gespannt ist er nach eigenen Angaben auf die Fan-Reaktionen auf den vorletzten Album-Song «Bottled Dreams». 

Seit 30 Jahren machen Nickelback nun schon zusammen Musik, fast 60 Millionen Alben haben sie weltweit verkauft. Damit sind sie nach Angaben ihrer Plattenfirma eine der kommerziell erfolgreichsten Rockbands überhaupt. 2024 wurden sie in die kanadische Hall of Fame aufgenommen. 

Aus Sicht von Mike Kroeger hat das Ganze auch viel mit den Kontroversen um die Band zu tun. «Die Wahrheit ist: Wenn Du keine heftige Reaktion bei den Menschen auslöst, dann hast Du wahrscheinlich nicht mehr viel Zeit. Wenn Du auf der einen Seite die Fans und auf der anderen Seite die Hater hast, ist das erfolgversprechender, als wenn alle sich in der Mitte befinden und sagen: Es ist ganz okay. Dann bist Du erledigt.»

Kroegers Kinder wegen Nickelback gemobbt

Doch das Ganze hatte auch seinen Preis, wie der 54-Jährige im dpa-Interview erzählt: «Mich persönlich haben die Memes nicht so sehr interessiert wie das Mobbing, dem meine Kinder ausgesetzt waren, weil sie damit in Verbindung gebracht wurden», sagt er. «Sie wurden gnadenlos gemobbt - wie Kinder das nun mal machen. Kinder können schrecklich sein, böse. Meine Kinder wurden beide deswegen fertig gemacht und ausgeschlossen. Das hat mich traurig gemacht. Und noch schlimmer war, dass sie es mir jahrelang nicht erzählt haben, um mich zu schützen.»

Inzwischen sind seine Kinder erwachsen, machen selbst Musik - und die Hasswelle scheint abgeebbt. «Ich weiß nicht, ob uns plötzlich alle mögen oder ob sie einfach zu den nächsten weitergezogen sind. Die armen Kerle bei Imagine Dragons haben die nächste Scheiße-Welle abbekommen, nachdem die Leute damit fertig waren, gemeine Sachen über uns zu sagen.»

Weiter sagt Kroeger: «Imagine Dragons sind unsere Freunde und es tut mir wirklich leid für sie, dass sie damit konfrontiert werden. Aber ihren Erfolg bedauere ich nicht. Sie haben eine der größten Singles der Geschichte herausgebracht, also kommen sie schon klar. Und man muss sich wirklich fragen, welchen Wert diese Meinungen haben, diese anonymen Hater. Ich kann mir nichts vorstellen, das feiger ist.»

Kroeger: Bei Nickelback «wie bei der Mafia»

Kroeger und Nickelback wollen in jedem Fall - trotz oder wegen allem - weitermachen. «Ich glaube nicht, dass wir aufhören, bis irgendjemand nicht mehr kann, stirbt oder einen Arm verliert oder so etwas.» Er zieht Vergleiche zu seiner langjährigen Partnerschaft mit seiner Ehefrau Angela: «Wir sind seit 28 Jahren zusammen und haben vor langer Zeit beschlossen, dass es für immer ist. Es gibt nur noch einen Ausweg - wie bei der Mafia. Und das ist der mit den Füßen voran.»

© dpa-infocom, dpa:261027-930-899139/1